Wirksames Entspannungsverfahren

VERFAHREN ZUR TIEFENMUSKELENTSPANNUNG 

Die progressive Muskelentspannung (PME) wurde durch den amerikanischen Arzt Edmund Jacobson begründet. Bei dem Entspannungsverfahren geht es um die bewusste und willentliche Anspannung und Entspannung bestimmter Muskelgruppen, die den Körper in den Zustand tiefer Entspannung versetzen können.

Progressive Muskelentspannung, die sonst auch als Tiefenmuskelentspannung oder progressive Muskelrelaxation bezeichnet wird, hat das Ziel, die muskuläre Entspannung zu erlernen und diese bewusst jederzeit herbeiführen zu können.

Therapeutischer Einsatz in klassischer und alternativer Medizin

ANWENDUNGSGEBIETE VON PROGRESSIVER MUSKELENTSPANNUNG SIND VIELSEITIG

Progressive Muskelentspannung gilt als das geeignetste Entspannungsverfahren in der klinischen Praxis, nicht zuletzt, weil es leicht erlernbar ist. Die Methode findet vielseitig Anwendung und wird häufig auch therapeutisch begleitend zu klassischen und naturheilkundlichen Behandlungen und Therapien eingesetzt.

Anwendungsgebiete

Wirkung auf gesamten Körper

BEEINFLUSST PSYCHE UND WILLKÜRLICHE UND UNWILLKÜRLICHE FUNKTIONEN

Progressive Muskelentspannung zeigt Wirkung auf den gesamten Organismus. Angesprochen werden durch dieses Verfahren gleichermaßen willkürliche Muskeln, seelische Verfassung und auch unbewusste Körperfunktionen. Folgende Zustände lassen sich durch die muskuläre Entspannung positiv beeinflussen:

Wirkungsweisen

  • Verbesserte Körperwahrnehmung
  • Reduzierung von Erregungszuständen und körperlicher Unruhe
  • Verringerung von Schmerzzuständen durch Aufspüren und Lockern von Muskelverspannungen
  • Stressabbau fördern
  • Anspannung von Muskulatur mindern
  • Verlangsamung des Herzschlags
  • Förderung der entspannten ruhigen Atmung
  • Seelische und körperliche Entspannung fördern
  • Förderung von innerer Ruhe und Gelassenheit
  • Erweiterung der Gefäße von Haut Muskeln

Mehr als 75% der Studien belegen Verbesserung der Symptome

PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG VERBESSERTE SYMPTOME UND BEFINDLICHKEIT

Bis 1985 wurden mehr als 60 Studien mit ungefähr 3000 Teilnehmern zur Wirksamkeit der progressiven Muskelentspannung als eigenständiges Therapieverfahren durchgeführt. In den Ergebnissen hatte sich gezeigt, dass 75% der Studien Hinweise auf eine deutliche Besserung der Symptome ergaben und 60% der Studien eine andauernde allgemeine Verbesserung der Befindlichkeit der Teilnehmer belegten.

Die Wirksamkeit der progressiven Muskelentspannung ließ sich speziell bei Angst- und Spannungszuständen und den damit verbundenen körperlichen Beschwerden nachweisen. Bei der Betrachtung der differentiellen Wirksamkeit stellte sich heraus, dass die Methode am besten bei Patienten mit leichteren Symptomen wirkte, die dieser Therapieform und ihrer Wirksamkeit positiv gegenüber standen.

Nebenwirkungen nur selten

NEBENWIRKUNGEN UND GEGENANZEIGEN

Nebenwirkungen treten bei der Progressiven Muskelentspannung selten auf, allerdings ist die Entspannungsmethode nicht für jeden geeignet. Ungeeignet ist das Verfahren der bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden. Die Anwendung sollte im Fall von bestimmten Erkrankungen nur nach Rücksprache mit dem Arzt vorgenommen werden.

  • Unkontrollierbarer Blutdruck (maligne Hypertonie)
  • Herzversagen
  • Akute Psychosen
  • Asthma
  • Schwere Nervenerkrankungen
  • Geistige Behinderungen
  • Angststörungen

Sehr angespannte Menschen können bei der Anwendung zu Überreaktionen neigen, z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit.

Bei einem Migräneanfall kann die Progressive Muskelentspannung die Beschwerden auch verschlimmern.

Bei niedrigem Blutdruck besteht die Gefahr, dass der Blutdruck absinkt.

Übungen in der Praxis

THERAPIE – ÜBUNGEN DER PROGRESSIVEN MUSKELENTSPANNUNG

Die Übungen sind technisch für gesunde Menschen leicht und schnell in wenigen Minuten zu erlernen. Bei der Progressiven Muskelentspannung erstrecken sich die Übungen nach und nach auf einzelne Muskelgruppen jedes Körperabschnitts. In der Regel wird mit dem Ballen der Fäuste begonnen, bevor sich die Übungen auf Arme, Kopf, Nacken und weitere Körperabschnitte bis hin zu den Füßen fortsetzen.

Nacheinander werden nun die Muskelgruppen verschiedener Körperbereiche gezielt für 5  bis 7 Sekunden stark und konzentriert angespannt und dann wieder losgelassen. Auf die Anspannung folgt eine Entspannungsphase von mindestens 10 Sekunden.

Die Progressive Muskelentspannung kann mit und ohne begleitende Hintergrundmusik praktiziert werden. Die Übungen lassen sich im Liegen und im Sitzen ausführen. Notwendig ist lediglich ein ruhiger Raum. Verwendet wird sowohl eine Kurzversion der Progressiven Muskelentspannung, die sich auf nur wenige große Körperabschnitte konzentriert, als auch eine Langversion, die sich zusätzlich auf kleinere Muskelgruppen des jeweiligen Körperabschnitts konzentriert.

Durch beständiges Üben kann die Entspannung bewusst mit Konzentration und Körperbeherrschung herbeigeführt werden.

ERLERNEN DER TECHNIKEN

Die Techniken der Progressiven Muskelentspannung können auf verschiedene Weise erlernt werden. Die Angebote reichen von CD´s über Bücher und Videos zur Selbstschulung, bis hin zu speziellen Kursen an Volkshochschulen und dem therapeutischen Einsatz in Rehabilitationszentren und Kliniken. Auch  gesetzliche Krankenkassen fördern Kurse zur Progressiven Muskelentspannung nach Maßgabe. Mehr zum Thema unter Gesundheitskurse

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Klaus Grawe et al.: Psychotherapie im Wandel. Hogrefe. Göttingen. 1994.

V. Schmiedel, M. Augustin. Das große Praxisbuch der Naturheilkunde. Verlag Gondrom. Bindlach 2004.

Douglas A. Bernstein, Thomas D. Borkovec: Entspannungs-Training: Handbuch der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Verlag Klett Cotta. 2007.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016

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