Retardpräparate setzen anders als die üblichen Depotwirkstoffe ihre Wirkstoffkonzentration phasenweise frei. Sie kommen in einigen Medikamenten bei chronischen Erkrankungen oder einigen Nahrungsergänzungsmitteln zur Anwendung, in denen der Nährstoff gleichmäßig und konstant über einen längeren Zeitraum abgegeben werden soll.
Wie funktionieren Retardpräparate?
„Retard“ bedeutet verzögert wirkend. Retardpräparate verzögern in einigen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln die Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen und Nährstoffen planmäßig. In der Regel werden sie durch Schlucken (oral) eingenommen, retardierte Präparate können aber in einigen Fällen auch in Form einer Injektion verbreicht werden, zum Beispiel als Depotspritze in der psychiatrischen Therapie.
Bei bestimmen Wirkstoffen ist eine sofortige Bioverfügbarkeit nach der Einnahme mit plötzlichen hohen Wirkstoffkonzentrationen nicht erwünscht oder erweist sich nicht als nützlich. In diesen Fällen kommen sogenannte Retardpräparate mit deutlich höheren Dosierungen als in herkömmlichen Präparaten zum Einsatz, die die Wirkstoffe durch bestimmte Hilfsstoffe verlangsamt oder phasenweise verzögert abgeben können.
Nützlich ist die verzögerte Wirkstofffreisetzung etwa, um das Risiko für Nebenwirkungen zu vermindern oder um Nährstoff- oder Wirkstoffkonzentrationen konstant länger im Blutkreislauf verfügbar erhalten zu können.
In welchem Bereich werden retardierte Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel angewendet?
Im Arzneimittelbereich kommen Retardpräparate häufig bei chronischen Erkrankungen als Dauertherapie zur Anwendung.
Eingesetzt werden sie häufig beispielsweise bei Herz- Kreislauferkrankungen, Depressionen oder schmerzhaften Gelenkentzündungen.
Retardpräparate kommen aber auch im Bereich der Nahrungsergänzung etwa bei Nährstoffen zur Anwendung, die nicht speicherbar sind und bei der oralen Gabe nur in einer geringen Dosis vom Körper aufgenommen werden können. Dieses ist beispielsweise beim wasserlöslichen Vitamin C der Fall, so dass Vitamin C Retard in Form von Kapseln, Harttabletten und anderen Darreichungsformen verfügbar ist.
Üblicherweise kommen retardierte Präparate vor den Mahlzeiten auf nüchternem Magen zur Einnahme, denn die Bioverfügbarkeit wird ansonsten durch die lange Verweildauer im Magen deutlich beeinträchtigt.
Welche Formen von Retardpräparaten gibt es?
Je nach Präparat wird die verzögerte Wirkstofffreifreisetzung auf unterschiedliche Weise ermöglicht. In der Regel kommen dabei Hilfsstoffe zum Einsatz.
Erhältlich sind Retardpräparate oft in Form von Retardkapseln, die retardierte Mikrokügelchen enthalten. Es sind aber auch osmotische Systeme im Einsatz, die Wasser eindringen lassen und die Wirkstoffe so phasenweise frei werden lassen. Eine weitere Form bilden Matrixtabletten, sie verfügen über ein Kunststoffgerüst zur langsamen Wirkstoffabgabe.
Auch Retardfilmtabletten, die einen Überzug mit einem schwerlöslichen Film enthalten, bilden eine Darreichungsform.
Risken bei der Einnahme der Retardpräparate
Retardpräparate enthalten meistens die gesamte Tagesdosis, die sonst bei herkömmlicher Einnahme auf mehrere Dosen verteilt ist. Deshalb warnen Ärzte und Apotheker davor, die Präparate weder zu zerkleinern noch zu teilen, um den sogenannten Dumping-Effekt zu vermeiden, durch den eine Überdosierung droht. Geteilt werden dürfen sie höchstens, wenn dafür vorgesehene Bruchrillen vorgesehen sind und die Teilung auf Anordnung oder in Absprache mit dem Arzt oder Apotheker vorgenommen wird.
In Wasser auflösbar sind dagegen spezielle Multiple-Unit-Pellet-Systeme. Dabei handelt es sich um magensaftresistent aufbereitete Mikrokugeln, die zur Tablette verpresst werden. Solche Retard-Produkte können Patienten nach vorheriger Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker in Wasser auflösen.
Bei Mitteln mit Retard-Eigenschaften empfehlen Ärzte und Apotheker, sich bei der Anwendung strikt an den Beipackzettel zu halten und bei Fragen oder Unklarheiten Rücksprache mit dem verordnenden Arzt oder dem Apotheker zu nehmen.
Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung mitteilt, können Retardpräparate besonders für Kinder gefährlich werden, die das hochdosierte Mittel unbemerkt aufnehmen und sich dadurch vergiften.
Retadierte Präparate stufen die Experten als beratungsintensiv ein.
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 26.03.2023
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Quellen und weiterführende Informationen:
Barbara Kandler-Schmitt. Retardtabletten richtig einnehmen. Apotheken-Umschau. 2108.2020
Prof. Dr. Karl-Artur Kovar. Pharmazeutische Praxis. 7. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2007
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