Wann werden die Kosten für eine Kur übernommen?

RECHTLICHER RAHMEN FÜR REHABILITATION ODER KUR

Gesetzliche Grundlage für Rehabilitationsmaßnahmen bei Kranken- und Rentenversicherten liefert das Sozialgesetzbuch (SGB). Der Begriff „Kur“ kommt in den aktuellen Gesetzestexten nicht mehr vor, er wurde dort durch den Begriff „Rehabilitation“ ersetzt. Umgangssprachlich und in den Versicherungsbedingungen der Krankenversicherer wird der Begriff „Kur“ noch häufig verwendet.

Je nach Situation des Versicherten, können unterschiedliche Kostenträger für Reha-Maßnahmen verantwortlich sein. Wenn es bei Berufstätigen um die Wiederherstellung der Arbeitskraft geht, ist die gesetzliche Rentenversicherung zuständig. Für Menschen, die nicht im Arbeitsleben stehen, tritt in der Regel die Krankenkasse oder ein anderer Kostenträger ein.

Arbeitssuchende müssen im Vorfeld das Jobcenter über die Kurmassnahme informieren und ihre Abwesenheit vom Wohnort melden.

Voraussetzungen

GENEHMIGUNG BEI MEDIZINISCHER NOTWENDIGKEIT

Gesetzliche Krankenkassen genehmigen eine Kur oder eine Rehabilitation dann, wenn sie medizinisch erforderlich ist – zum Nachweis ist eine Bescheinigung des behandelnden Arztes erforderlich, die zusammen mit einem Formular bei der Krankenkasse oder dem entsprechenden Kostenträger eingereicht werden muss. Einige Reha-Anträge leitet die Krankenkasse an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zur Begutachtung weiter. Der MDK ist eine neutrale Institution.

Jede Kurform unterliegt speziellen Bedingungen und Voraussetzungen. Grundsätzlich ist eine Kur nur dann möglich, wenn der Versicherte vor Ort bereits alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft hat und alle notwendigen Medikamente, Heilmittel und Hilfsmittel verordnet wurden.

Behandlungsziele

AUSRICHTUNG VON REHA-MASSNAHMEN

Eine Reha-Massnahme dient verschiedenen Zielen. Sie kann der Vorsorge dienen, die Gesundheit stärken oder bei verschiedenen Erkrankungen und Leiden die Genesung unterstützen. Reha-Behandlungen erfolgen in einem entsprechenden Kurort oder Heilbad unter Einsatz der Heilmittel, die an diesem Ort zur Verfügung stehen. Heilmittel sind z.B. Quellen, Meerwasser, Klima, Gase oder Moorbäder.

In jeder Kur werden neben der körperlichen Behandlung gleichermaßen Kenntnisse zur Selbsthilfe, zur gesunden Ernährung und zur Entspannung vermittelt, die dann auch später im Alltag hilfreich von Reha-Patienten eingesetzt werden können.

Kurformen

ART DER KUR IST VON DIAGNOSE ABHÄNGIG

  • Ambulante Vorsorge-Kur
  • Stationäre Vorsorge-Kur
  • Stationäre Reha-Kur
  • Ambulante Reha-Kur
  • Mutter- oder Vater-Kind-Kur

Qualitätssicherung

EINHEITLICHES VERFAHREN SICHERT QUALITÄT DER REHA-MASSNAHME

Für ambulante und stationäre Einrichtungen aus dem Bereich der Vorsorge oder Rehabilitation, die von den gesetzlichen Krankenkassen belegt werden, gilt ein bundesweit verbindliches und einheitliches Qualitätssicherungsverfahren namens QS-Reha®-Verfahren.

Kostenübernahme und Eigenanteil in der Reha

LEISTUNGSUNTERSCHIEDE BEI KRANKENKASSEN

Krankenkassen weisen durchaus Leistungsunterschiede auf, wenn es um die Bedingungen und die Kostenübernahme bei Reha-Massnahmen geht. Je nach Art der Kur übernimmt der Kostenträger die Kosten der Behandlung oder gewährt einen vertraglich vereinbarten Zuschuss. In einigen Fällen werden auch Fahrten zum Ort organisiert oder Fahrtkosten erstattet.

EIGENANTEIL IN DER KUR

Versicherte leisten meistens einen Eigenanteil von Euro 10.- pro Tag. Die Höhe der Zuzahlung ist abhängig von der Art der Kur und von den Einkommensverhältnissen des Versicherten. Zahlungen erfolgen in der Regel direkt an das Reha-Zentrum oder die Kurklinik. Nähere Informationen unter Kostenübernahme: Reha & Alternative Heilbehandlung

ANSPRUCH AUF REHA RECHTZEITIG WAHRNEHMEN

Der Anspruch auf eine bewilligte Kur verfällt in der Regel, wenn die Kur nicht innerhalb von vier Monaten nach der Bewilligung angetreten wird. Eine ambulante Reha sollte am besten gleich nach der Bewilligung begonnen werden.

Bei Anschlussheilbehandlungen (AHB) die direkt an einen Krankenhausaufenthalt anschließen, ist es üblich, dass der Versicherte die Maßnahme innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus antritt. Viele Krankenhäuser haben für diesen besonderen Genehmigungsprozess Sozialarbeiter, an den sich der Patient und die Angehörigen wenden können.

Ambulante Vorsorge-Kur

VORAUSSETZUNGEN

Eine Vorsorge-Kur kann beantragt werden, um eine Krankheit zu verhüten oder um die Verschlimmerung einer Erkrankung zu vermeiden. Oft empfiehlt der Arzt einen Orts- oder Klimawechsel. In der Regel wird ein Kurort innerhalb von Deutschland gewählt – einige gesetzliche Krankenkassen unterstützen aber auch die Durchführung in europäischen Ländern.

Ambulante Kuren werden in der Regel nur dann genehmigt, wenn die ambulante Behandlung nicht ausreicht oder nach Einschätzung des Arztes nicht sinnvoll ist.

BERUFSTÄTIGKEIT – FREISTELLUNG UND ENTGELTFORTZAHLUNG BEI VORSORGEKUREN

Am 25.05.2016 hatte das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden, dass ein Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, den Arbeitnehmer für jede von der Kasse bezuschusste Vorsorgekur freizustellen und die Vergütung fortzuzahlen.

Die Richter vertraten die Auffassung, dass zur Freistellung und Entgeltfortzahlung neben der Bewilligung durch einen Kostenträger bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Demnach muss der Arbeitgeber einer Freistellung bei einer Entgeltfortzahlung nur nachkommen, wenn eine ärztliche Bescheinigung vorliegt, aus der hervorgeht, dass die Kurmaßnahme der medizinischen Vorsorge dient und nachweislich erforderlich ist, um in absehbarer Zeit eine Schwächung der Gesundheit zu beseitigen, eine sonst drohende Krankheit zu verhüten oder deren Verschlimmerung zu vermeiden.

AUSWAHL DES KURORTES UND ANREISE

Den staatlich anerkannten Kurort wählt der Versicherte zusammen mit dem Arzt aus. Anreise, Unterbringung und Verpflegung organisiert der Versicherte selbst. Der Kurort kann in Deutschland oder bei einigen Kassen auch im Ausland gewählt werden.

Dauer einer ambulanten Vorsorge-Kur

HÖCHSTENS ALLE DREI JAHRE ZU BEANTRAGEN 

Die Dauer der ambulanten Vorsorge-Kur beträgt zwei bis drei Wochen. Sofern die ambulante Vorsorge-Kur notwendig wird, kann sie höchstens alle drei Jahre beantragt werden.

Kostenübernahme

KOSTEN WERDEN OFT VON KRANKENKASSEN BEZUSCHUSST

Zuzahlungen des Patienten, wie sie auch bei einem Kuraufenthalt fällig sind, übernehmen die Krankenkassen in der Regel nicht. Viele Krankenkassen leisten bei der ambulanten Vorsorge-Kur einen Zuschuss. Kosten für Fahrt, Unterbringung, Verpflegung und Kurtaxe sind vom Versicherten selbst zu tragen. Medizinische Leistungen und Heilmittel werden im Rahmen des Vertrages von der Krankenkasse erstattet. Der Versicherte ist in der Regel mit 10 Prozent an den vertraglich vereinbarten Kosten der Kurmittel beteiligt, die der Kurarzt verordnet. Jede Verordnung kostet zusätzlich € 10.-. Keine Zuzahlung haben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Gesundheitsreisen und Präventionsreisen

PRIVAT FINANZIERTE KURAUFENTHALTE – PAUSCHALKUREN

Einige Reiseveranstalter haben sich wegen der steigenden Nachfrage auf die Durchführung von Privatkuren spezialisiert und beraten Kunden zu Gesundheitsreisen und Präventionsreisen. Diese Reiseveranstalter bieten regelmäßig ein umfangreiches Angebot für Kuraufenthalte im In- und Ausland. Für die Dauer der Privat-Kur gilt der Versicherte als arbeitsfähig und muss sich Urlaub nehmen.

Stationäre Vorsorge-Kur oder Reha-Kur

VORAUSSETZUNGEN

Ob die Voraussetzungen für die Kur vorliegen, muss zunächst im Termin mit dem behandelnden Facharzt abgeklärt werden. Stationäre Kuren werden in der Regel nur dann genehmigt, wenn alle ambulanten Therapien und die ambulante Kur nicht ausreichen, z.B. bei körperlicher Beeinträchtigung, bei eingeschränkten Fähigkeiten oder einer notwendigen umfassenden Betreuung.

WAHL DES KURORTES

In der Regel wählt die gesetzliche Krankenkasse unter Berücksichtigung der medizinischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten eine geeignete Klinik aus. Wünsche des Versicherten können dabei gegebenenfalls berücksichtigt werden.

DAUER DES KURAUFENTALTES

Die Dauer eines stationären Kuraufenthaltes bestimmt die Krankenkasse. Er beträgt in der Regel zwei bis drei Wochen. Sofern ein stationärer Kuraufenthalt notwendig wird, kann er höchstens alle vier Jahre beantragt werden.

KOSTEN

Kosten für die Unterbringung und Behandlung während des stationären Kuraufenthaltes übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel. Ein Eigenanteil von € 10.- pro Tag fällt fast regelmäßig an. Einige Krankenkassen übernehmen oder bezuschussen die Fahrtkosten bei stationären Reha-Kuren. Die Anreise zur stationären Vorsorge-Kur kann mit einer Zuzahlung verbunden sein.

Ambulante Reha-Kur

OFT HALBTAGS IN WOHNORTNÄHE

Eine ambulante Reha-Kur wird in der Regel halbtags in einem kassenzugelassenen Reha-Zentrum oder einer Reha-Klinik in der Nähe des Wohnorts durchgeführt. Dort kommen die verordneten Therapien und Anwendungen zum Einsatz.

VORAUSSETZUNGEN

Häufig wird eine ambulante Reha-Kur bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herzerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen sinnvoll. Sie kann auch nach einer schwerwiegenden Operation notwendig werden. Ob die Voraussetzungen für die Kur vorliegen, muss zunächst im Termin mit dem behandelnden Facharzt abgeklärt werden.

Mutter-oder Vater-Kind-Kur

DIE KUR MIT KIND

Die Mutter- oder Vater-Kind-Kur findet stationär statt und bietet neben einem individuellen Therapieangebot Hilfe zur Selbsthilfe. Sie vermittelt Kenntnisse über einen gesunden Lebensstil. Unterstützung bei der Antragstellung liefern z.B. das Müttergenesungswerk, verschiedene karitative Einrichtungen oder Sozialverbände wie der VdK oder der SoVD.

VORAUSSETZUNGEN

Ob die Voraussetzungen für eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur vorliegen, muss zunächst im Termin mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Mutter- oder Vater-Kind-Kuren werden in der Regel nur dann genehmigt, wenn die Kurmassnahme für das Elternteil notwendig ist und erhebliche Probleme vorliegen, die Kinder zu erziehen oder zu versorgen oder wenn der/die Versicherte psychisch extrem belastet ist oder in einer Trennungssituation lebt oder familiär stark belastet ist. Auch dann, wenn der oder die Versicherte pflegebedürftige oder behinderte Kinder hat oder wenn Angehörige zu versorgen sind, kann ein Grund für eine solche Massnahme vorliegen.

KURORT

Die Kur wird in einer zugelassenen Kurklinik durchgeführt. Oft befindet sich dieser Kurort in einem Heilklima.

DAUER

Die Dauer des stationären Kuraufenthaltes  beträgt in der Regel drei WochenSofern ein stationärer Kuraufenthalt notwendig wird, kann er höchstens alle vier Jahre beantragt werden.

KOSTEN

Eigenbeteiligungen des Patienten, wie sie auch bei einem Kuraufenthalt fällig sind, übernehmen die Krankenkassen in der Regel bei Mutter- oder Vater-Kind-Kuren nicht. Bei der stationären Kurmassnahme werden die Kosten für Unterbringung und Verpflegung in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Je nach Vertragsgestaltung kann auch einen Zuschuss für Fahrtkosten geleistet werden.

Private und gesetzliche Zusatzkrankenversicherungen

VERSICHERUNGEN FÜR TAGEGELD ODER KRANKENGELD

Private Krankenkassen bieten auch für gesetzlich Versicherte Zusatzversicherungen für Kurmaßnahmen an. Für ambulante und stationäre Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen kann dort beispielsweise ein Tagegeld für den Kuraufenthalt vereinbart werden.

Bei gesetzlichen Krankenversicherungen können Zusatzkrankenversicherungen vorsorglich abgeschlossen werden, die Krankenhaustagegeld oder Krankengeld beinhalten.

Vorerkrankungen können einen Vertragsabschluss bei Zusatzkrankenversicherungen verteuern oder gefährden. Es wird vor dem Abschluss allgemein zu einem eingehenden Vergleich zwischen den Anbietern und ihren Leistungen geraten.

Private Krankenversicherung – Kostenübernahme

ERMITTLUNG DES KOSTENTRÄGERS

In Abhängigkeit von der Situation können verschiedene Kostenträger bei einer medizinisch notwendigen Reha-Maßnahme für den privat Krankenversicherten eintreten. Die Deutsche Rentenversicherung, tritt ein, falls der privat Krankenversicherte gesetzlich oder freiwillig rentenversichert ist. Wenn der privat Krankenversicherte jedoch Mitglied einer Berufsgenossenschaft ist, übernimmt sie die Kosten im Rahmen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen oder Berufskrankheiten.

Sofern aber eine private Unfallversicherung besteht und die Reha-Maßnahmen durch einen Freizeitunfall verursacht wurden, übernimmt der Versicherer den vertraglich geregelten Anteil der Kosten. Nur wenn kein anderer Träger die Reha-Maßnahme übernimmt, tritt die Private Krankenversicherung ein. Sie tritt immer nur in dem Rahmen ein, den der Versicherte in seinen Vertragsbedingungen oder durch den Abschluss einer entsprechenden Kur-Zusatzversicherung vereinbart hat.

WAHLTARIFE UND ZUSATZVERSICHERUNGEN MÖGLICH

Nicht jede Private Krankenversicherung beinhaltet die Erstattung der Kosten für eine Kur in ihren Musterbedingungen und bietet entsprechende Wahltarife als Zusatzversicherung an. Bei Bedarf können diese Tarife in der Regel auch erweitert werden.

Auch Private Krankenversicherungen übernehmen im Rahmen des abgeschlossenen Versicherungsvertrages nur solche Kurkosten, die medizinisch notwendig sind. Anbieter von Privaten Krankenversicherungen haben zum Teil unterschiedliche Angebote, Voraussetzungen und Versicherungsbedingungen. Allgemein wird angeraten, vor Antritt eine schriftliche Zusage zur Kostenübernahme von der Privaten Krankenversicherung einzuholen.

Hinweis 

In allen Belangen, die eine Kur betreffen, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt und an Ihren Kostenträger. Die vorstehenden Informationen sind allgemein und stellen keine Beratung, Empfehlung oder Aufforderung zur Kur dar. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Gemeinsamer Bundesausschuss: https://www.g-ba.de/

Sozialgesetzbuch (SGB):  http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/

BAG – Urteil: Entgeltfortzahlung – Ambulante Kur. http://www.bag-urteil.com/25-05-2016-5-azr-298-15/

Verband der Privaten Krankenversicherung: https://www.pkv.de/service/suche/

GKV-Spitzenverband: https://www.gkv-spitzenverband.de

Text: Katja Schulte Redaktion
Datum: 11/2016

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