Häufigkeit

FRAUEN HÄUFIGER BETROFFEN VON SCHILDDRÜSENÜBERFUNKTION ALS MÄNNER

Etwa 1 bis 2 Prozent der Frauen in Deutschland sind von einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) betroffen, die verschiedene Ursachen haben kann. Frauen erkranken dabei 4 bis 5 mal häufiger als Männer. Die Hyperthyreose tritt in der Regel zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf.

Definition

KRANKHAFTE ÜBERFUNKTION DER SCHILDDRÜSE

Die krankhafte Schilddrüsenüberfunktion, die als Hyperthyreose bezeichnet wird, äußert sich in einer übermäßigen Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die im Körper ein Überangebot entstehen lassen.  Eine Überfunktion der Schilddrüse kann vielfache Ursachen haben. Das Hormon Thyreotropin (TSH) übt einen zusätzlichen Wachstumsreiz und eine gesteigerte Produktion der Schilddrüsenhormone auf das Schilddrüsengewebe aus, das in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet wird.

AUFGABE DER SCHILDDRÜSENHORMONE

Schilddrüsenhormone regeln im Körper wesentliche Stoffwechselvorgänge. Diese Hormone haben Wirkung auf Wachstum, körperliche und geistige Entwicklung, und auch Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Zum Aufbau der Hormone benötigt die Schilddrüse Jod.

JODBEDARF

Ein Erwachsener benötigt etwa 200 Mikrogramm Jod pro Tag, das er über die Nahrung aufnehmen muss. In Deutschland ist die ausreichende Zufuhr nicht immer gewährleistet.

Mögliche Anzeichen

TYPISCHE SYMPTOME FÜR SCHILDDRÜSENÜBERFUNKTION

Nicht immer werden die Symptome sofort mit einer Schilddrüsenüberfunktion in Verbindung gebracht, weil viele der Anzeichen auch alltags-oder stressbedingt auftreten.

  • Veränderter Herzschlag
  • Starkes Schwitzen
  • Schlaflosigkeit
  • Gereiztheit
  • Fettleber
  • Haarausfall
  • Zyklusstörungen
  • Vorübergehende Unfruchtbarkeit
  • Leichtes Fieber
  • Muskulaturschwäche
  • Osteoporose
  • Allgemeine psychomotorische Unruhe
  • Gewichtsverlust trotz Heißhunger
  • Nervosität
  • Zittern
  • Vortreten der Augäpfel (Morbus Basedow)
  • Hautveränderungen an Fingern und Zehen (Akropachie)

Mögliche Ursachen

SCHILDDRÜSENÜBERFUNKTION HAT VERSCHIEDENE AUSLÖSER

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören u.a. auch Schwangerschaft, Wehen, Infektionskrankheiten oder jodhaltige Kontrastmittel. Ihr Schweregrad ist von der Ursache unabhängig. Neben genetischen Faktoren kann auch Jodmangel in Verbindung mit weiteren Faktoren eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen. Im Verlauf einer Hyperthyreose besteht unabhängig von der Ursache immer das Risiko, für die thyreotoxische Krise, die eine lebensbedrohliche Verschlimmerung bedeuten kann.

AUTOIMMUNKRANKHEIT MORBUS BASEDOW OFT URSÄCHLICH

Die genetisch bedingte Autoimmunkrankheit, bei der sich das Immunsystem zerstörend gegen körpereigenes Gewebe richtet, tritt häufiger bei Frauen zumeist ab dem 35. Lebensjahr auf. Diese Art der Schilddrüsenüberfunktion kann mit Struma (Kropf), diffusem Struma oder Knotenstruma einhergehen und bildet mit 60%-80% die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion. Bei einem großen Teil der Betroffenen bildet sie sich spontan zurück, kann aber wieder zurück kehren.

SCHILDDRÜSENAUTONOMIE

Ursächlich für die Schilddrüsenüberfunktion kann altersbedingt ein fehlender Einfluss von regulierenden TSH Hormonen in der Schilddrüse sein.

Außerdem kann sich der autonome Schilddrüsenanteil infolge von  Jodmangel über Jahre unbemerkt vergrößern und in Verbindung mit einer plötzlichen hohen Jodzufuhr durch z.B. jodhaltige Medikamente oder Desinfektionsmittel zu einer Hyperthyreose führen.

MARINE-LENHARDT-SYNDROM

Eine Kombination aus autoimmunogener Erkrankung und Schilddrüsenautonomie kann ebenfalls auftreten.

WEITERE AUSLÖSER FÜR SCHILDDRÜSENÜBERFUNKTION

  • Erhöhte Zufuhr von Schilddrüsenhormonen
  • Hormonproduzierende Tumoren der Schilddrüse oder Hypophyse
  • Entzündungen der Schilddrüse mit verschiedener Ursache

EXTREMFALL THYREOTOXISCHE KRISE

Innerhalb weniger Stunden oder Tage kann sich eine lebensbedrohliche Verschlimmerung entwickeln und es kommt es kommt zu einer thyreotoxischen Krise. Ursächlich dafür können jodhaltige Medikamente, Operationen oder Begleiterkrankungen sein. Die Anzeichen reichen von Herzrhythmusstörungen über Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma.

Mögliche Folgen

VERSCHIEDENE FOLGEERKRANKUNGEN MÖGLICH

Unbehandelt kann eine Schilddrüsenüberfunktion zu auch zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen.

  • Osteoporose
  • Stoffwechselstörungen
  • Herzschwäche & Schäden des Herzmuskels
  • Funktionsstörungen von Drüsen

Mögliche Maßnahmen

URSACHENABHÄNGIGE BEHANDLUNG

Je nach Ursache erfolgt die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion medikamentös, operativ oder durch die Radiojodtherapie.

MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNG

Eine medikamentöse Therapie soll die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen. Die Anwendung wird in der Dosis angepasst und erfolgt solange, bis eine Normalisierung der Laborwerte (Euthyreose) eintritt. Eingesetzt werden u.a. Thyreostatika.

OPERATIVE BEHANDLUNG

Eine Operation soll die Schilddrüsenüberfunktion dauerhaft verhindern und erfolgt erst nach erfolgreicher medikamentöser Einstellung auf normale Laborwerte.

Während bei einem Karzinom die Schilddrüse vollständig entfernt wird (Thyreoidektomie), versucht man, bei einer gutartigen Vergrößerung je nach Ursache möglichst viel Schilddrüsengewebe zu erhalten (Strumaresektion). Anschließend ist je nach Ursache, eine medikamentöse Therapie mit Jod oder Hormonen erforderlich.

BEHANDLUNG DURCH RADIOJODTHERAPIE

Oft bietet diese Therapieform eine Alternative zur Operation. Auch sie ist erst möglich, nachdem die medikamentöse Einstellung auf normale Laborwerte erfolgt ist. Schwangere und Stillende sind wegen möglicher Schäden für das Kind von dieser Therapie ausgenommen.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Frank Grünwald, Karl-Michael Derwahl: Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen. Frankfurt/ Berlin 2014

M. Dietlein, H. Schicha: Schilddrüse 2003. Walter de Gruyter, 2004

Lai-Chu See et al.: Hyperthyroid and Hypothyroid Status was Strongly Associated with Gout and Weakly Associated with Hyperuricaemia. PlosOne, 8. Dezember 2014

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016