Häufigkeit

SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION DURCH MANGELHAFTE JODVERSORGUNG

Unter einer Schilddrüsenunterfunktion mit knotigen Schilddrüsenveränderungen und einem behandlungsbedürftigen Jodmangelstruma (Kropf) leiden immer noch etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland, trotzdem dem Speisesalz schon seit einigen Jahren Jod zugesetzt wird. Nach Berichten der 12. Ernährungsstudie 2012, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) veröffentlicht hatte, ist auch die Jodversorgung von Kindern in Deutschland nicht zufriedenstellend.

SCREENING BEI NEUGEBORENEN

Hierzulande wird bei allen Neugeborenen ein Screening durchgeführt, um zu ermitteln, ob eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Dazu wird die Konzentration des Hormons TSH im Blut gemessen – nur die rechtzeitige Behandlung kann bleibende Schäden am Nervensystem verhindern.

Definition Schilddrüsenunterfunktion

ZU GERINGE HORMONPRODUKTION DURCH SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION 

Man spricht von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), wenn die Schilddrüse, die sich am Hals unterhalb des Kehlkopfes befindet, weniger Schilddrüsenhormone produziert, als vom Körper benötigt werden.

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SCHILDDRÜSENHORMONE HABEN WICHTIGE FUNKTION

Die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) regeln im Körper wesentliche Stoffwechselvorgänge. Diese Hormone haben Wirkungen nicht nur Einfluss das auf Wachstum und die körperliche und geistige Entwicklung, sondern auch auf Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Zum Aufbau der Hormone benötigt die Schilddrüse Jod. Schon eine leichte Schilddrüsenunterfunktion kann in der Schwangerschaft eine Fehl- oder Frühgeburt auslösen.

Bedarf

JODBEDARF

Jugendliche und Erwachsene benötigen nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. etwa 180-200 Mikrogramm Jod pro Tag, das in der Regel über die Nahrung aufgenommen werden muss. Bei Kindern liegt die Empfehlung zwischen 100-140 Mikrogramm. Während der Schwangerschaft besteht ein erhöhter Bedarf mit Werten zwischen 230-250 Mikrogramm, der nicht allein aus der Ernährung gedeckt werden kann und die Einnahme von Jodtabletten erforderlich macht.

JODHALTIGE LEBENSMITTEL

In Deutschland soll die ausreichende Zufuhr von Jod über die tägliche Ernährung gewährleistet werden, indem nach Empfehlung der WHO nicht nur dem Speisesalz künstliches Kaliumjodat zugesetzt wird, sondern auch dem Tierfutter. So sollen nahezu alle verfügbaren Milch- und Fleischprodukte entsprechend angereichert werden. Auch Konserven, Fertiggerichte, Teigwaren etc. werden regelmäßig mit jodiertem Speisesalz verarbeitet. Auch natürlich befinden sich größere Mengen an Jod in Lebensmitteln.

Lebensmittel mit Jod

  • Seefisch wie Seelachs, Kabeljau, Scholle, Schellfisch
  • Meeresalgen
  • Meeresfrüchte
  • Brokkoli
  • Cashewnüsse

Kropffördernde Lebensmittel

Spezielle Nahrungsmittel können die Bildung Kropfbildung fördern. Dazu zählen:

  • Bittermandeln
  • Senf
  • Radieschen
  • Kohl
  • Rettich

Verlauf

LEERER JODSPEICHER VERHINDERT BILDUNG DER SCHILDDRÜSENHORMONE 

Infolge des Jodmangels verlangsamen sich die Stoffwechselprozesse und beeinträchtigen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Erst nachdem die Jodspeicher der Schilddrüse aufgebraucht sind, nimmt die Bildung der Schilddrüsenhormone ab.

Der abnehmende Jodgehalt bringt wachstumsfördernde Prozesse in Gang, in deren Folge sich die Schilddrüse vergrößert und einen Kropf (Struma) bilden kann.

VERGRÖSSERTE SCHILDDRÜSE BEGÜNSTIGT BILDUNG HEISSER UND KALTER KNOTEN

Schon leichte bis mittelgroße Vergrößerungen der Schilddrüse, die meistens von den Betroffenen nicht einmal wahr genommen werden, können ein gesundheitliches Problem darstellen, denn sie können sich zu heißen oder kalten Knoten entwickeln. Heiße Knoten können unkontrolliert Hormone produzieren und zur Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen. Kalte Knoten sind inaktiv, aber 5% der kalten Knoten können sich bösartig verändern und zu Schilddrüsenkrebs führen.

VERLAUF SCHLEICHEND

Für eine Schilddrüsenunterfunktion ist ein andauernder, schleichender Verlauf charakteristisch. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Betroffenen kraftlos und antriebslos und leiden häufig unter extremer Müdigkeit und einem erhöhten Schlafbedürfnis.

Mögliche Symptome

VERSCHIEDENE SYMPTOME BEI SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION MÖGLICH

  • Erhöhtes Kälteempfinden
  • Verlangsamte Reflexe
  • Gedächtnisschwäche
  • Depressive Verstimmungen
  • Gewichtszunahme
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Muskelschwäche
  • Muskelsteifigkeit
  • Spröde, brüchige Haare
  • Vermehrter Haarausfall
  • Brüchige Nägel
  • Blasse, trockene Haut
  • Heisere tiefe Stimme
  • Langsame undeutliche Sprache
  • Verlangsamter Herzschlag
  • Verminderung des sexuellen Lustempfindens
  • Verminderung der männlichen Potenz
  • Chronische Verstopfung
  • Niedriger Blutdruck

ANZEICHEN VON SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION  BEI KINDERN

Kinder, die an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, fallen oft durch Muskel- und Trinkschwäche auf, während bei älteren Kindern oft Übergewicht, eine verzögerte Pubertät und Wachstumsstörungen zu beobachten sind.

Mögliche Ursachen

OXIDATIVER STRESS FÖRDERT SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION

Große Mengen Freier Radikale, die bei der Bildung von Schilddrüsenhormonen entstehen, können zur Entwicklung einer Unterfunktion beitragen, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend durch wichtige Nährstoffe aus der Nahrungsaufnahme entgegen wirken kann.

Eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht zumeist als Folge von fehlendem oder zerstörtem Schilddrüsengewebe. Anfangs kann es während des Entzündungsprozesses auch zu einer zeitweisen Überfunktion der Schilddrüse kommen.

  • Angeborene Unterfunktion der Schilddrüse
  • Folge einer Schilddrüsenentzündung im fortgeschrittenen Alter (Hashimoto-Thyreoiditis)
  • Jodmangel
  • Selenmangel
  • Zu hoch dosierte Medikamente gegen Schilddrüsenüberfunktion
  • Erkrankung der Hypophyse
  • Erkrankung des Hypothalamus

Formen und Behandlungen der Schilddrüsenunterfunktion

DIAGNOSE EINER SCHILDDRÜSENUNTERFUNKTION

Abtasten, Sonografie, Szintigrafie, Ultraschall, Urin- und Blutwerte können Aufschluss darüber geben, ob eine Funktionsstörung der Schilddrüse vorliegt. Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann sich in verschiedenen Krankheitsbildern zeigen, die angeboren oder erworben sein können. Sie ist in der Regel nicht heilbar und muss medikamentös entweder mit Jod und/oder Hormonen behandelt werden.

GENETISCH BEDINGTE HYPOTHEREOSEN

Genetisch bedingte Hypothyreosen können aufgrund eines Gendefekts in Verbindung mit äußeren Faktoren, wie Stress, Nährstoffmangel, Rauchen oder Virusinfektionen auftreten. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen medikamentöse Therapien, Operationen (Strumaresektion) oder radioaktive Bestrahlung. Mögliche, genetisch bedingte Krankheiten z.B.:

  • Angeborene Hypothyreose
  • Morbus Basedow – Autoimmunkranheit
  • Hashimoto-Thyreoiditis – Autoimmunkrankheit

ERWORBENE HYPOTHYREOSE

Die häufigste Ursache von Hypothyreose ist Jodmangel, den es zu vermeiden gilt. Schilddrüsenunterfunktion Hypothyreose ist zumeist gut behandelbar. Eine Behandlung erfolgt in der Regel mit Jodtabletten, die medizinisch wirksames Kaliumjodid enthalten. Als Basistherapie wird die Verwendung von Jodsalz empfohlen.

Sollten Knotenbildungen in der Schilddrüse die Ursache der Hypothyreose sein, spricht man von einer manifesten Hypothyreose, die medikamentös mit den fehlenden Schiddrüsenhormonen T3 und T4 behandelt wird.

Eine regelmäßige Kontrolle ist erforderlich.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Lothar-Andreas Hotze, Petra-Maria Schumm-Draeger:Schilddrüsenkrankheiten. Diagnose und Therapie. Berlin 2003

DGE: Jodversorgung in Deutschland: http://assets.dge.de/epaper/dkompakt/page9.html#/14

Uniklinik Saarland: Schilddrüsenerkrankungen im Kindesalter

Bund für Risikobewertung: http://www.bfr.bund.de/cm/343/nutzen-und-risiken-der-jodprophylaxe-in-deutschland.pdf

R. Hörmann: Schilddrüsenkrankheiten: Leitfaden für Praxis und Klinik. 4. Auflage 2005

M. Schott, J. Seißler, W. Scherbaum: Diagnostik bei autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen. In: LaboratoriumsMedizin. Band 8, 2006

Karin Götsch: Allgemeine und Spezielle Krankheitslehre Georg Thieme Verlag, 2007

Bildquelle im Impressum
Text: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016