Sekundäre Pflanzenstoffe bieten Kraft aus der Natur

BIOAKTIVE SUBSTANZEN KOMMEN IN PFLANZEN VOR

In pflanzlichen Produkten stecken nicht nur lebensnotwendige VitamineMineralstoffe und Spurenelemente, einige Pflanzen und Pflanzenteile enthalten gleichzeitig auch unverzichtbare sekundäre Pflanzenstoffe.

Zusammen mit Ballaststoffen und Substanzen aus fermentierten Lebensmitteln werden sie als bioaktive Substanzen bezeichnet. Bioaktive Substanzen nehmen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit.

MANCHE SEKUNDÄRE PFLANZENSTOFFE NÜTZEN AUCH MENSCHLICHEM KÖRPER

Sekundäre Pflanzenstoffe bestimmen Geschmack, Geruch und auch die intensive Farbe von Gewächsen, Samen und Früchten. Pflanzen bilden diese Substanzen etwa als Abwehrstoffe gegen Schädlinge, Krankheiten oder Nahrungskonkurrenten. Außerdem dienen sie als Wachstumsregulatoren, und Geschmacksstoffe sowie als Duftstoffe oder Farbstoffe, um befruchtende Tiere anzulocken. Und auch im menschlichen Körper übernehmen viele sekundäre Pflanzenstoffe schützende und abwehrende Funktionen und mit vielfacher Wirkung auf die Gesundheit.

Sekundäre Pflanzenstoffe beeinflussen unsere Nahrungsauswahl und dienen daneben in der Pharmazie als Grundlage vieler Arzneimittel. Sie prägen den Geschmack, aber sie haben keinen Nährstoffcharakter und kommen im Gegensatz zu primären Pflanzenstoffen, zu denen Nährstoffe wie KohlenhydrateFette und Eiweiße (Proteine) zählen, nur in sehr geringen Mengen in der Pflanze vor.

ENTDECKUNG UND BEGRIFFLICHKEIT

Der Begriff „Sekundäre Pflanzenstoffe“ dient als Sammelbegriff für viele Substanzen unterschiedlichster Struktur, die in Pflanzen, bzw. in Pflanzenbestandteilen vorkommen. Von den 100.000 bekannten Substanzen finden wir etwa 5.000 in unserer Nahrung.

Den Begriff verwendete vor etwa 100 Jahren zuerst der Pflanzenphysiologe Albrecht Kossel. Weil einige sekundäre Pflanzenstoffe tödliche Gifte bilden, wurde die Gruppe früher allgemein als gesundheitsschädlich eingestuft und wissenschaftliche Untersuchungen konzentrierten sich hierzulande deshalb ausschließlich auf die gesundheitsschädigenden Wirkungen. Erst in den letzten Jahrzehnten begann der Wandel und nach neueren wissenschaftlichen Untersuchungen verbindet man heute verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe mit vielen gesundheitsfördernden Eigenschaften.

Die Bedeutung sowie pharmakologische Wirkungen von Pflanzen in der Ernährung kannte man aber bereits in der Antike, denn schon der griechische Gelehrte Hippokrates lehrte, dass Nahrungsmittel unsere Heilmittel sein sollen und Heilmittel unsere Nahrung.

Sekundäre Pflanzenstoffe verringern Risiko für viele Volkskrankheiten

DGE RÄT ZUM VERZEHR PFLANZLICHER PRODUKTE

Wer oft pflanzliche Produkte wie Obst und GemüseNüsseVollkorn und Hülsenfrüchte isst, nimmt allein über die Ernährung viele sekundäre Pflanzenstoffe auf.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) tragen sekundäre Pflanzenstoffe in diesen Lebensmitteln dazu bei, das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen zu senken. Schätzungen der DGE zufolge, nehmen wir täglich etwa 1,5 g sekundäre Pflanzenstoffe mit der gemischten Kost auf, sofern wir uns nach den geltenden Ernährungsempfehlungen ernähren. Man geht davon aus, dass Vegetarier eine höhere Menge zu sich nehmen.

Die DGE erklärt, dass verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe scheinbar untereinander und im Zusammenspiel mit anderen pflanzlichen Lebensmitteln wirksam werden und isolierte Verbindungen sich dagegen häufig als unwirksam oder negativ erweisen. Wenn sekundäre Pflanzenstoffe aus ihrem natürlichen Verbund getrennt werden und isoliert in Nahrungsergänzungsmitteln angeboten werden, rät die DGE von der Einnahme ab.

ERNÄHRUNGSEMPFEHLUNG FÜR OBST UND GEMÜSE

Nach Empfehlungen der DGE sollen im Rahmen der vollwertigen Ernährung täglich mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse den Speiseplan ergänzen. Geraten wird dazu, die Gemüseration von 400 g teilweise als Rohkost sowie in schonend erhitzter Form zu verzehren.

Unterscheidung und Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe

SAMMELBEGRIFF FÜR SUBSTANZEN UNTERSCHIEDLICHER STRUKTUR

Sekundäre Pflanzenstoffe bestehen aus vielen chemischen Verbindungen und werden nach ihrer chemischen Struktur und ihren funktionellen Eigenschaften gruppiert.

Lediglich der grüne Blattfarbstoff Chlorophyll und die Phytinsäure aus Hülsenfrüchten lassen sich keiner Gruppe zuordnen, werden aber ebenfalls den sekundären Pflanzenstoffen zugerechnet.

Sekundäre Pflanzenstoffe Lebensmittel mit hohen Gehalten (Obst, Gemüse, Kräuter) Gesundheitliche Wirkung*
Chlorophyll z.B. Kohl, Grünkohl, Brokkoli, Blattsalat, Petersilie antikanzerogen
Monoterpene z.B. Öle aus Fenchel, Kümmel, Zitrusfrüchten, Pfefferminze, Äpfel, Aprikosen, Heidelbeeren, Himbeeren, Kümmel, Weintrauben antikanzerogen
Carotinoide Oranges, gelbes und rotes Obst, Gemüse, grünblättriges Gemüse, z.B. Möhren, Paprika, Spinat, Brokkoli, Grünkohl, Tomaten, Grapefruit, Aprikose, Melone, Kürbis antikanzerogen
antioxidativ
immunmodulierend
cholesterinsenkend
Phytosterine Öle, fettreiche Pflanzenteile, z.B. Zwiebeln, Nüsse, Vollkorn, Sonnenblumenkerne, Rosenkohl, Sesam, Hülsenfrüchte, Sesam, Soja antikanzerogen
cholesterinsenkend
Glucosinolate Kohlgemüse, z.B. Kohlrabi, Rettich, Kresse, Senf antikanzerogen
antimikrobiell
cholesterinsenkend
Saponine Hülsenfrüchte, z.B. Knoblauch, Lauch, Bohne, Linse, Spargel antikanzerogen
antimikrobiell
immunmodulierend
cholesterinsenkend
Polyphenole (z.B. Flavonoide, Phenolsäuren) gelbes, blaues, violettes Obst,  Gemüse und Volkornprodukte, z.B. Äpfel, Birnen, Kirschen, Trauben, Beeren, Kohl, Zwiebeln, Auberginen, Wein, schwarzer Tee, Grüner Tee antikanzerogen
antioxidativ
immunmodulierend
cholesterinsenkend  antithrombotisch blutzuckersenkend entzündungshemmend
Proteaseinhibitoren z.B. Sojabohne, Mungobohne, Erbse, Kartoffel, Mais antikanzerogen
antioxidativ
Phytoöstrogene Vollkorngetreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchte, z.B. Sojabohnen, Linsen, z.B. Leinsamen antikanzerogen
antioxidativ
Sulfide z.B. Knoblauch, Lauch, Zwiebeln, Schnittlauch antikanzerogen
antioxidativ
immunmodulierend antithrombotisch
cholesterinsenkend antimikrobiell entzündungshemmend
Phytinsäure z.B. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte antikanzerogen
antioxidativ
immunmodulierend
blutzuckersenkend
Andere bioaktive Substanzen
Ballaststoffe in allen Gemüsesorten antikanzerogen
immunmodulierend
cholesterinsenkend blutzuckersenkend
Substanzen in milchsauer vergorenem Gemüse z.B. in Sauerkraut, Joghurt, milchsauer vergorene Gemüsesäfte antikanzerogen
immunmodulierend
cholesterinsenkend antimikrobiell

Gesundheitliche Wirkung*

Klicken Sie in ein Feld für detaillierte Begriffserklärung und Beschreibung

ANTIKANZEROGEN

Sekundäre Pflanzenstoffe, die antikanzerogen wirken, wirken neben Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Faktoren auf jeder Stufe der Entstehung von Krebs entgegen und dienen als Schutzfaktor.

Substanzen, die Krebsauslösung verhindern

Verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe verhindern die Auslösung von Krebs, weil sie DNA-Schäden reparieren und Reparaturmechanismen fördern. Insbesondere Phenolsäuren aus der Gruppe der Polyphenole, Sulfide, Protease-Inhibitoren und Glucosinolate verhindern, dass inaktive krebsauslösende Stoffe zu Kanzerogenen, also krebsauslösenden Stoffen werden.

Tumorhemmende Substanzen

Sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Carotinoide, Monoterpene, Phytosterine, Protease-Inhibitoren und Sulfide hemmen dagegen das Tumorwachstum

ANTIOXIDATIV

Antioxidativ wirkende sekundäre Pflanzenstoffe bekämpfen Freie Radikale im Körper und machen sie unschädlich. Freie Radikale beschädigen Zellen und Chromosomen. Antioxidantien schützen vor Alterserscheinungen, Krebs, Herzbeschwerden und Grauem Star.

Antioxidativ wirken sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Carotinoide, Polyphenole, Protease-Inhibitoren, Phytoöstrogene, Sulfide und Phytinsäure.

Nähere Informationen auf Infothek-Gesundheit im Bericht: Freie Radikale contra Antioxidantien

IMMUNMODULIEREND

Immunmodulierende Substanzen aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe wirken günstig auf das Immunsystem. Das Immunsystem steht unter dem Einfluss innerer und äußerer Faktoren und ist beteiligt, wenn viele Krankheiten entstehen, z.B. auch Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Aids oder Rheuma. Diese bioaktiven Stoffe schützen den Körper vor eindringenden Fremdstoffen, z.B. Bakterien, Viren, Parasiten und entstehenden kranken Strukturen wie etwa Tumorzellen.

Immunmodulierend wirken Carotinoide, Saponine, Polyphenole, Sulfide, Phytinsäure, Ballaststoffe und Substanzen in milchsauer vergorenenem Gemüse.

ANTITHROMBOTISCH

Antithrombotische Substanzen aus der Familie der sekundären Pflanzenstoffe senken das Risiko für einen Herzinfarkt, denn sie beeinflussen die Blutgerinnung positiv und wirken dem Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinsel (Thrombus) entgegen. Eine Thrombose kann etwa zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Antithrombotisch wirken Polyphenole und Sulfide.

CHOLESTERINSENKEND

Cholesterinsenkende Substanzen aus der Familie der sekundären Pflanzenstoffe begünstigen das HDL-Cholesterin, das als Schutzfaktor gegen Gefäßverkalkungen wirkt, während LDL-Cholesterin die Gefäße schädigt. Ein zu hoher Cholesterinspiegel erhöht das Risiko für Koronare Herzerkrankungen.

Cholesterinsenkend wirken Carotinoide, Phytosterine, Glucosinolate, Saponine, Sulfide, Ballaststoffe und Substanzen aus milchsauer vergorenem Gemüse.

Mehr zum Thema Cholesterin in unserem Bericht: Gutes Cholesterin – Schlechtes Cholesterin.

BLUTZUCKERSENKEND

Blutzuckersenkend wirken Substanzen aus der Familie der sekundären Pflanzenstoffe, die die Aufnahme und Verdauung von Stärke (Kohlenhydrate) vermindern und so  den Blutzuckerspiegel senken. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann zur Insulinresistenz führen und fördert die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 und die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen.

ANTIMIKROBIELL

Substanzen aus der Familie der sekundären Pflanzenstoffe, die antimikrobiell wirken, hemmen das Wachstum von Viren, Bakterien, Pilzen und/oder Hefen und bekämpfen auf diesem Weg Infektionen.

Antimikrobiell wirkende sekundäre Pflanzenstoffe sind Glucosinolate, Saponine, Polyphenole, milchsauer vergorenes Gemüse und Sulfide.

ENTZÜNDUNGSHEMMEND

Entzündungen sind körperliche Abwehrreaktionen auf äußere Reize und Schädigungen. Sie lösen Stoffwechselprozesse aus, die die krankmachenden Ursachen entfernen und zerstörte Zellen und zerstörtes Gewebe reparieren. Entzündungen äußern sich etwa durch Schwellungen, Schmerzen oder Rötungen.

Entzündungshemmend wirken sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Sulfide und Polyphenole.

Noch keine Zufuhrempfehlung möglich

WEITERER FORSCHUNGSBEDARF NOTWENDIG 

In Tierversuchen und epidemiologischen Studien beim Menschen konnten einige gesundheitsfördernde Auswirkungen einer pflanzenreichen Ernährung gezeigt werden. Allerdings besteht weiterer Forschungsbedarf, um konkrete Zufuhrempfehlungen zu geben.

Funktionen sekundärer Pflanzenstoffe, die vorwiegend im Tierversuch und in vitro festgestellt wurden

Qualität von sekundären Pflanzenstoffen schwankt

GEHALT UND QUALITÄT IST SCHWANKUNGEN UNTERWORFEN

In Abhängigkeit von Umweltbedingungen, wie Klima oder Bodenbeschaffenheit, ist der Gehalt und die Bioverfügbarkeit sekundärer Pflanzenstoffe in Lebensmitteln starken Schwankungen unterworfen. Auch Lagerung, Verarbeitung und Art der Zubereitung können unterschiedlichen Einfluss auf die Substanzen nehmen.

Beispielsweise vertragen Glucosinolate nur moderate Temperaturen und laugen durch garen aus, Carotinoide und Monoterpene sind empfindlich gegen Licht und Sauerstoff. Auf Polyphenole, die etwa auch in Schokolade enthalten sind, wirken sich höhere Fettanteile und die Anwesenheit weiterer Polyphenole positiv aus, daneben haben Proteine und Antioxidantien wie Vitamin C einen negativen Einfluss auf die Verwertbarkeit.

Verwertbarkeit

UNTERSCHIEDLICH GUTE AUFNAHMEFÄHIGKEIT

Wie gut sekundäre Pflanzenstoffe aufgenommen und verwertet werden können, ist von mehreren Faktoren abhängig, dazu zählen:

  • Chemische Struktur des sekundären Pflanzenstoffes
  • Darmflora
  • Vorliegender Zustand, Begleitstoffe

Beispiel: Carotinoid (ß-Carotin, Vorstufe von Vitamin A) aus der Möhre – mit dem Begleitstoff Öl kann der Körper über 50 % Carotin aus der Möhre verwerten, während ohne Öl nur etwa 3% aufgenommen werden. Durch möglichst starke Zerstörung der Zellwände kann mehr sekundärer Pflanzenstoff zur Aufnahme bereit gestellt werden. Die Zellwände werden etwa zerstört durch schneiden, hacken, pürieren, erhitzen, kauen oder mörsern.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 09/2016

Suche