Testkits für zuhause ermöglichen viele professionelle Laboranalysen

Selbsttests inklusive Analyse in einem medizinischen Fachlabor erfreuen sich unter Verbrauchern wachsender Beliebtheit. Das Angebot wächst durch das hohe Verbraucherinteresse am eigenen Gesundheitszustand stetig, so dass sich mittlerweile viele Gesundheitsparameter mit praktischen Testkits bequem von zuhause aus testen lassen. Bei einigen Laboren kann man diese Tests bereits mit wenigen Klicks online bestellen. Die Vorgehensweise ist unkompliziert. Das Labor schickt das Testkit nach der Bestellung zur Probenahme inklusive Rücksendeumschlag direkt nach Hause zur Probenahme. Nach der Proberücksendung erfolgt dann die fachgerechte Analyse mit eingehendem, auch für medizinische Laien, leicht verständlichen Laborergebnis. Je nach Labor findet man unterschiedliche Selbsttests im Angebot. Doch solche Selbsttests sind nicht nur mit Vorteilen verbunden, es gibt auch verschiedene Nachteile, die ebenfalls Thema dieses Berichts sind.

Selbsttests vom Nährstoffstatus bis hin zum DNA Status

Auswerten lassen sich zum Nährstoffstatus verschiedene Parameter, darunter Vitamine, Coenzyme, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie Omega-Fettsäuren. Auch bestimmte Hormone lassen sich per Selbstest bestimmen. Bestimmen lässt sich beispielsweise das Stresshormon Cortisol, das Schlafhormon Melatonin, und die Geschlechtshormone Östrogen, Progesteron oder Testosteron. Außerdem wird beispielsweise eine Laboranalyse vom Glückshormon Serotonin und den Schildrüsenhormonen angeboten.

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Die Auswertung kann dann entsprechende Hinweise auf eine ausreichende Versorgung, eine Überversorgung, eine Unterversorgung oder einen Mangel ergeben.

Ebenso lassen sich bestimmte Lebensmittelunverträglichkeiten, Allergien oder Schwermetallbelastungen im Selbsttest untersuchen.

Auch im Bereich Darmgesundheit gibt es Selbsttests, bei denen die Zusammensetzung der Darmflora oder ein Befall von Darmparasiten oder verstecktes Blut im Darm analysiert werden kann, das auf Darmkrebs hinweisen könnte.

DNA Selbsttests zur Ermittlung verschiedener Parameter

Selbst testen lassen sich neuerdings auch einige genetische Parameter.

Populär ist aktuell bei vielen Übergewichtigen zum Beispiel der DNA Stoffwechsel Selbsttest, durch den sich die eigenen Gene im Hinblick auf eine individuell passende Ernährung und Diät analysieren lassen. Wissenschaftler konnten dazu bereits einige Gene identifizieren, die in Zusammenhang mit dem Stoffwechsel stehen. Diese Gene bestimmen etwa wie ausgeprägt das Sättigungsgefühl ist, ob man eine Veranlagung für Übergewicht hat oder wie gut der eigene Körper Fette verwerten kann.

Relativ neu ist ebenso die Möglichkeit per Selbsttest mit Laborauswertung das genetische Alter analysieren zu lassen, um so Informationen zur eigenen Zellalterung und zu seinem biologischen Alter zu gewinnen.

Außerdem verfügbar sind auch DNA Selbsttests zur Analyse der Herzgesundheit, Hautgesundheit oder des Fitnesszustands. Damit lässt sich nach Expertenangaben auch herausfinden, welche Sportart zu einem persönlich passt.

Ergebnisse dauern je nach Test einige Tage bis mehrere Wochen

Nach der Einsendung der Probenahme zum Labor dauert es bei den meisten Selbsttests nur wenige Tage, bis die Auswertung erfolgt und die gut nachvollziehbaren Ergebnisberichte dann beim Verbraucher eintreffen.

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Oft geschieht dies per E-Mail oder die Ergebnisse werden in einem Internbereich des Labors zur Verfügung gestellt. Tests wie der DNA Test erfordern mehr Geduld, diese Testergebnisse stehen oft erst nach einigen Wochen bereit.

In der Regel liefern aber alle Labore bei Selbsttests auch Handlungsempfehlungen mit, wenn die Ergebnisse dementsprechend ausfallen.

Welche unterschiedlichen Formen von Selbsttests bieten Labore an?

Die Anzahl der unterschiedlichen Gesundheitsparameter, die sich mittlerweile mit Selbsttests untersuchen lassen, ist groß. Abhängig vom Analyseverfahren und/oder dem/n zu untersuchenden Gesundheitsparameter/n bieten Labore entweder Selbsttests in Form von Speichelanalysen, Haarmineralanalysen, Stuhluntersuchungen, Urinuntersuchungen oder Blutuntersuchungen anhand einer entsprechenden Probe an. Ebenso können Untersuchungen der genetischen Erbsubstanz (DNA) bei Fachlaboren direkt vom Verbraucher beauftragt werden. Bei Blutuntersuchungen reicht in der Regel für den Selbsttest eine geringe Blutmenge aus, die der Verbraucher mittels steriler Utensilien aus dem erhaltenen Testkit selbst aus der Fingerkuppe entnehmen kann.

Labore bieten u.a. Selbsttests zur Analyse folgender Gesundheitsparameter an:

Selbsttests zur Bestimmung des Nährstoffstatus

  • Aminosäuren (Blutprobe)
  • Eisenmangel (Blutprobe oder Haarprobe)
  • Jodmangel (Urinprobe)
  • Kombi-Mineralstofftest (Blutprobe oder Haarprobe)
  • Magnesiummangel (Blutprobe oder Haarprobe)
  • Omega-3-Fettsäuren (Blutprobe)
  • Selenmangel (Blutprobe)
  • Vitamin A (Blutprobe)
  • Vitamin D (Blutprobe)
  • Vitamin B12 (Blutprobe)

Selbsttests zur Bestimmung des Hormonstatus

  • Cortisol Test (Speichelprobe)
  • Melatonin Test (Speichelprobe)
  • Östrogen (freie Form) Test (Speichelprobe)
  • Schilddrüsen Test (Blutprobe)
  • Serotonin Test (Urinprobe)
  • Testosteron (freie Form) Test (Speichelprobe)

Selbsttests zur Bestimmung von Allergien, Unverträglichkeiten und Schwermetallbelastungen

  • Fruktoseintoleranz Test (Atemluftprobe)
  • Getreideallergie Test (Blutprobe)
  • Glutenunverträglichkeit Test (Blutprobe)
  • Hausstauballergie (Blutprobe)
  • Histamin Intoleranz Test (Blutprobe)
  • Hundeallergie Test (Blutprobe)
  • Katzenallergie Test (Blutprobe)
  • Kombi-Lebensmittelreaktionstest (Blutprobe)
  • Laktoseintoleranz Test (Atemluftprobe)
  • Latexallergie (Blutprobe)
  • Milch- und Ei Allergietest (Blutprobe)
  • Nussallergie Test (Blutprobe)
  • Pollenallergie (Blutprobe)
  • Schwermetall Test (Urinprobe oder Haarprobe)
  • Sorbitintoleranz Test (Atemluftprobe)

Sonstige Selbsttests zur Untersuchung weiterer Parameter

  • C-reaktives Protein Entzündungsparameter (Blutprobe)
  • Candida, Darmpilze und Schimmelpilze Test (Stuhlprobe)
  • Cholesterin Test (Blutprobe)
  • COVID-19 Impfung Antikörper Test (Blutprobe)
  • Darmkrebsvorsorge (Stuhlprobe)
  • DNA Fitness Test (Speichelprobe)
  • DNA Genetisches Alter Test (Speichelprobe)
  • DNA Hautgesundheit Test (Speichelprobe)
  • DNA Herzgesundheit Test (Speichelprobe)
  • DNA Stoffwechsel Test (Speichelprobe)
  • Darmgesundheit Test (Stuhlprobe)
  • Darmparasiten Test (Stuhlprobe)
  • Homocystein Test (Blutprobe)
  • Langzeit-Blutzucker Test (Blutprobe)
  • Leaky Gut Test (Stuhlprobe)
  • PCR Test Corona Virus (Speichelprobe)
  • STI Test – Sexuell übertragbare Geschlechtskrankheiten (Urinprobe)

Was kosten Selbsttests?

Die Kosten für einen Selbsttest belaufen sich je nach Labor und Anzahl der Parameter von ca. 20 Euro bis ca. 200 Euro. Damit sind sie häufig deutlich günstiger als beim Arzt oder Heilpraktiker beauftragte Laboranalysen. Gibt man beispielsweise umfangreiche Vitamintests bei Ärzten oder Heilpraktikern in Auftrag, können die Kosten sogar zwischen 600 und 800 Euro betragen, die selbst zu zahlen sind. Nur bei begründetem Verdacht ist die laboranalytische Bestimmung von entsprechenden Gesundheitsparametern eine Kassenleistung.

Es gibt nach ersten Berichten von Großlaboren bereits Kassen, die Kosten für Selbsttests mit Laboranalyse übernehmen. Ob diese Kosten allerdings von der eigenen Krankenkassen übernommen werden, sollte man bei Bedarf im Vorfeld abklären. Immer noch viele Krankenkassen übernehmen in der Regel nur die Kosten, wenn ein zugelassener Arzt oder Facharzt einen Test für notwendig hält und beauftragt. Auch im Rahmen einer Vorsorge werden von vielen Kassen nur vom Arzt oder Facharzt beauftragte Tests von den Krankenkassen erstattet. Eine Kostenübernahme oder Kostenbeteiligung richtet sich bei Krankenversicherten auch nach dem Tarif.

Tipp: Bei Selbsttests lohnt sich oft ein ausgiebiger Vergleich unter den Anbietern. Einige Labore bieten außerdem Kombitests mit Auswertung mehrerer Gesundheitsparameter an, die zum Teil deutlich preiswerter sind.

Vorteile von Selbsttests mit Laboranalyse

Zu den Vorteilen zählt sicherlich für viele Verbraucher, dass sie mit Selbsttests lange Wartezeiten auf Arzttermine und auch lange Wartezeiten in der Praxis vermeiden. Außerdem dürfen Verbraucher durch die qualifizierte Leistung in akkreditierten Laboren ein stimmiges Ergebnis erwarten, was bei einem Selbsttest für zuhause, der nicht im Labor ausgewertet wird, weniger zuverlässig ausfallen kann.

Gut organisieriertes Testkit, eingehender Befund und Handlungsempfehlungen

Weiterer Vorteil ist, dass sich die Proben mit dem Testkit leicht selbst zu Hause nehmen lassen und mit dem beiliegenden frankierten Rückumschlag ohne große Umstände zum Labor eingesendet werden können. Die Auswertung erfolgt in ärztlich geführten Fachlaboren und der Verbraucher erhält online oder per Post einen eingehenden Laborbefund, der je nach Ergebnis mit einer Handlungsempfehlung verbunden ist. Es ist damit ohne großen Aufwand möglich, diesen Laborbefund  nach einer Maßnahme oder Therapie mit einem später beauftragten Laborbefund zur Kontrolle auf eine Veränderung oder einen Fortschritt hin leicht abzugleichen.

Bei Vorsorgetests Unabhängigkeit von zeitlichen Einschränkungen

Bei Vorsorgetests wie etwa der Darmkrebsvorsorge sind Stuhltests (iFOBT) erst ab dem Alter von 50 Jahren vorgesehen und dann auch nur 1 mal jährlich. Wem das zu wenig ist oder wer schon in früherem Alter einen Vorsorgetest wünscht, der hat jederzeit die Option, auf eigene Kosten einen Selbsttest zur Darmkrebsvorsorge mit Laborauswertung zu bestellen.

Nachteile

Zu den Nachteilen von Selbsttests mit Laboranalyse zählt dagegen, dass sie keinen Ersatz für die ärztliche Diagnose und Beratung bieten. Denn die ermittelten Werte bieten lediglich einen Hinweis auf erhöhte Risiken oder auf zu niedrige oder erhöhte Werte. Sie erfordern jedoch bei auffälligen Testergebnissen eine eingehende Diagnose und Beratung durch den Arzt, mit dem dann auch notwendige Therapiemaßnahmen abgeklärt werden sollten.

Nicht jede Probe erfüllt die notwendigen Voraussetzungen

Fehler oder Nachlässigkeiten können bei der Probenahme zuhause zu falschen Ergebnissen im Labor führen. Deshalb wird Anwendern vor der Probenahme empfohlen, die Beschreibung gründlich zu lesen und diese genau zu befolgen.

Es kann bei invasiven Selbsttests, die eine Blutprobe erfordern, zu Schwierigkeiten kommen. Neben der Möglichkeit, dass sich nicht jeder Anwender überwinden kann, sich selbst zu stechen und sein eigenes Blut aus der Fingerkuppe zu gewinnen, kann es beispielsweise zu niedrig verfälschten Analysen kommen, wenn ein Finger so stark gedrückt wird, dass die Blutprobe durch austretendes Gewebewasser verdünnt ist.

Selbsttests zu Unverträglichkeiten, in denen die IgA-Antikörper in der Blutprobe untersucht werden, haben bei circa 7 bis 10 Prozent der Bevölkerung das Risiko für ein falsch negatives Ergebnis, weil bei diesem Teil die Produktion der IgA-Antikörper stark vermindert ist.

Bei Intoleranzen kann die Probenahme riskant sein

Während der Durchführung von Selbsttests zur Fruktose-Intoleranz und Laktose-Intoleranzen, bei denen zuhause eine Atemgasprobe genommen werden muss, kann es in Verbindung mit der Probenahme zu gesundheitlichen Beschwerden beim Anwender kommen. Grund dafür ist, dass zuvor eine bestimmte Menge Fruktose oder Laktose aufgenommen werden muss, die entsprechende Beschwerden auslösen kann.

Referenzwerte und Normwerte können abweichen

Viele deutsche Großlabore haben ihre eigenen Referenzwerte und Normwerte ermittelt, die von denen anderer Labore abweichen können. Diese Werte spiegeln nicht unbedingt die Referenzwerte der Gesamtbevölkerung wider.

Experten empfehlen daher bei mehreren aufeinanderfolgenden Selbsttests, diese wegen der besseren Vergleichbarkeit in demselben Labor zu beauftragen. Grund dafür ist, dass unterschiedliche Labore zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können, insbesondere dann, wenn es um Parameter oder Analyseverfahren geht, bei denen bislang keine verbindlichen Normwerte festgelegt wurden.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 14.11.2022 |aktualisiert 19.01.2023
Bildquelle: ©Ivan Samkov@pixabay.com (CCO Creative Commons Lizenz)

Quellen und weiterführende Informationen:

DGVS. Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test.

NDR. Ratgeber. Vitamin-Mangel: Wie sinnvoll sind Bluttests? 05.11.2021

Mein Direktlabor. Wie sinnvoll sind medizinische Selbsttests für zu Hause?

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