Essentielles Spurenelement

LEBENSWICHTIGER MINERALSTOFF

Selen gilt als lebensnotwendiger Nährstoff und muss über die tägliche Ernährung regelmäßig aufgenommen werden. In geringen Mengen findet Selen sich in jedem Körpergewebe. Oft kommt Selen in Verbindung mit Schwefel vor. Bei der Aufnahme wird der Nährstoff an Eiweiße (Proteine) gebunden.

UNTERSCHIEDLICHE SELENVERBINDUNGEN 

Freie Selenverbindungen kommen in der Natur selten vor und haben in der Ernährung kaum Bedeutung. Als biologisch gut verfügbare Selenverbindungen gelten u.a. das anorganische Natriumselenit und Natriumselenat.

Zu den organischen Selenverbindungen zählt beispielsweise Selenomethionin, das vorwiegend in Selenhefe vorhanden ist, sowie Selenocystein und Selenaspartat.

Selenwasserstoff und methylierte Selenverbindungen kommen als leicht flüchtige Verbindungen vor und werden vom Körper über Urin und Atemluft ausgeschieden. Selenwasserstoff riecht nach fauligem Rettich.

Selenide dagegen sind chemische Verbindungen des Elements Selen, die in Form von Übergangsmetallen und Schwermetallen zu den unlöslichen Verbindungen zählen. Der Körper lagert beispielsweise Cadmiumselenid und Quecksilberselenid in Organen wie der Niere ein. Diese gehen keine weiteren Reaktionen ein.

Funktionen von Selen

SELEN ÜBERNIMMT WICHTIGE FUNKTIONEN IM KÖRPER

Die Europäische Behörde für die Lebensmittelsicherheit (EFSA) lässt nach wissenschaftlicher Überprüfung für Selen bislang folgende gesundheitsbezogene Angaben zu:

Selen

  • trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Haare bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Nägel bei
  • zum Schutz gegen Schwermetalle
  • trägt zur Erhaltung normaler Gelenke bei
  • trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen
  • trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei

Antioxidative Wirkung

SELEN IST AKTIV GEGEN FREIE RADIKALE

Als bedeutendster Bestandteil des Enzyms Gluthationperoxidase übernimmt Selen wichtige Aufgaben im Kampf gegen aggressive, aktivierte Sauerstoffformen, die als Stoffwechselprodukte entstehen oder auch durch Umweltgifte, Stress, Rauchen und andere Einwirkungen gebildet werden. Das Enzym Gluthationperoxidase findet man in besonders hohen Anteilen in Augen, Leber und bestimmten Blutbestandteilen wie Phagozyten, roten Blutkörperchen und Thrombozyten.

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Immunsystem

SELEN HAT VERSCHIEDENE AUFGABEN BEI DER FEINDABWEHR

Wissenschaftler vermuten, dass Selen die Antikörperproduktion anregen kann, besonders die Immunglobuline G (IgG). Daneben wurde der Nachweis geführt, dass Selen die Bildung von Gamma-Interferon anregt.

Das Glykoprotein Gamma-Interferon aus der Klasse der Zytokine stimuliert das Immunsystem und zeigt antivirale und antitumorale Wirkung. Ebenfalls regt Selen ein weiteres Zytokin an, den multifunktionalen Signalstoff Tumor-Nekrose-Faktor (TNF), der nahezu an allen Entzündungen beteiligt ist. Auch körpereigene Killerzellen, die in der Feindabwehr sehr bedeutsam sind, werden durch Selen aktiviert.

Allerdings kehren überschüssige Dosierungen von Selen die positiven Wirkungen in Gegenteil.

Interaktionen mit Jod

AUCH SELEN IST FÜR SCHILDDRÜSENFUNKTION UNVERZICHTBAR

Genau wie Jod ist auch Selen für die Funktion der Schilddrüse lebensnotwendig. Zwischen beiden Spurenelementen bestehen enge Interaktionen in Verbindung mit Wirkung und Produktion von Schilddrüsenhormonen. Von Selen hängt die Produktion des Enzyms Typ-I-Jodthyronin-5-Dejodase ab, das an der Umwandlung und Aktivierung der Schilddrüsenhormone beteiligt ist. Eine Unterversorgung mit Selen führt in der Folge zur Schilddrüsenunterfunktion.

Tabelle Selengehalt in Lebensmitteln

LEBENSMITTEL MIT HOHEN UND GERINGEN ANTEILEN AN SELEN

Lebensmittel Selen µg/100 g
Hafer 10
Reis  10
Mais Korn 12
Nudel roh 20
Weizenvollkornbrot 2
Rosinen 7
Orangensaft frisch gepresst 6
Mandarine 2
Aubergine 4
Blumenkohl 1
Steinpilze roh 187
Champignon 7
Milch 0,1% Fett 2
Joghurt 3,5% Fett 2
Emmentaler 45% Fett 11
Sardine 58
Ostseehereing 18
Garnele 50
Zander 23
Huhn 10
Kalbsleber 22
Rindfleisch 5
Rinderniere 114
Hühnerei 10
Butter 1
Erdnüsse 6
Kokosnuss 810
Paranuss 103
Bierhefe 8-90

In der Schilddrüse bilden besonders die antioxidativen Selenoproteine ein Schutzsystem gegen das dauerhaft produzierte Zellgift Wasserstoffperoxid (H2O2). Tierversuche lassen vermuten, dass die Schilddrüse geschädigt werden kann, wenn sie hohen Jodmengen ausgesetzt ist und gleichzeitig eine abweichende Selenversorgung besteht.

Vorkommen in Lebensmitteln

SELENHALTIGE LEBENSMITTEL

Aufgrund von unterschiedlichen Anbaugebieten und Sorten kommt es auch beim Spurenelement Selen zu erheblichen Schwankungen in einzelnen Lebensmitteln.

In bestimmten Lebensmitteln ist Selen natürlich enthalten, vor allem findet es sich in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs und in Meeresfrüchten und Fisch.

Mit 62,2% stammt der höchste Anteil der über die Nahrung aufgenommenen Selenmenge aus proteinreichen Lebenmitteln. 15,9% stammen aus kohlendratreicher Nahrung. Nur 5,4% der Selenmenge nimmt der Körper aus Gemüse auf und 5,6% aus Getränken. Sonstige Lebensmittel haben einen Selenanteil von 8%.

Nur wenige Pflanzen, wie etwa der Astragalus nehmen Selen auf. Reich an Selen sind auch Pflanzenprodukte wie Paranüsse oder Brazil Nuts. Mit die höchsten Selenmengen sollen in Paranüssen vorkommen – jedoch werden dazu stark abweichende Werte angegeben.

Tagesbedarf von Selen

TAGESBEDARF 

Ein genauer Selenbedarf des Körpers ist bis heute nicht eindeutig erforscht. Der empfohlene Tagesbedarf an Selen beträgt nach Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE):

  • Säuglinge bis 4 Monate/ 10 mcg
  • Kinder von 4-12 Monate/ 15 mcg
  • Kinder von 1-4 Jahre/15 mcg
  • Kinder von 4-7 Jahre/ 20 mcg
  • Kinder von 7-10 Jahre/ 30 mcg
  • Kinder von 10-13 Jahre/ 45 mcg
  • Kinder von 13-15 Jahre/ 60 mcg
  • Jungen und Männer ab 15 Jahre/ 70 mcg
  • Mädchen, Frauen, Schwangere ab 15 Jahre/ 60 mcg
  • Stillende/ 75 mcg

Während der Stillzeit ist eine leicht erhöhte Selenaufnahme erforderlich.

Selen als Tierfutterzusatz

SELEN IM TIERFUTTER NIMMT GROSSEN EINFLUSS 

Selen wird wegen der selenarmen Böden in Europa  Tierfuttermischungen in hohen Mengen zugesetzt. Daher gelten tierische Produkte als gute Selenquellen. Geflügel und Nutztiere erhalten Selen über Mineralstoffmischungen in Mengen von bis zu 500 µg/kg Körpergewicht pro Tag. Es zeigte sich durch den Futterzusatz bessere Reproduktion, bessere Gesundheit und besseres Gedeihen. Tierische Proteine enthalten Selenocystein und Selenometheonin.

Selenmangel

SELENMANGEL BESTEHT ALLGEMEIN NICHT

Zwar wird die Aufnahme von Selen über die normale Nahrung generell als ausreichend eingeschätzt und ein allgemeiner Selenmangel wird ausgeschlossen,  dennoch kann es auch in Deutschland zu Unterversorgungen mit dem Spurenelement kommen.

RISIKOGRUPPEN  

Neben ernährungsbedingten Ursachen können Krankheiten oder altersbedingte Faktoren ein Risiko für einen Selenmangel darstellen. Auch Rauchen kann einen Mangel begünstigen. Insbesondere Veganer und Risikogruppen mit proteinfreien oder proteinarmen Diäten sind auf eine Nahrungsergänzung mit Selen angewiesen.

MÖGLICHE SYMPTOME

Ist die Unterversorgung mit Selen nur gering, dann treten oftmals erst bei gleichzeitigem Vitamin E-Mangel Symptome für einen Selenmangel auf.

  • Weiß gefleckte Fingernägel
  • Dünne Haare
  • Blasse Haarfarbe

MÖGLICHE URSACHEN 

  • Eiweißarme Ernährung
  • Alkoholkrankheit
  • selenarme Böden
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Krebserkrankungen
  • Rauchen
  • Alter ab 90 Jahre
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MÖGLICHE FOLGEN 

  • Herzmuskelerkrankung (Keshan-Krankheit)
  • Augenerkrankungen
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Muskelschwächen
  • Rheumathische-arthritische Beschwerden
  • Gelenkerkrankungen /Kashin-Beck-Erkrankung)
  • Infektionsanfälligkeit

Anwendungsgebiete

EINSATZBEREICHE SIND VIELSEITIG

Selenreiche Ernährung, bzw. Selengaben zeigten in verschiedenen Bereichen positive Wirkung. Unter anderem wird Selen zusätzlich angewendet bei:

Neurodermitis

Bei Kindern mit Neurodermitis bewirkten tägliche Selengaben von 7,5 und 15 µg/kg Körpergewicht während eines Zeitraums von 6 Monaten eine deutliche Besserung. Gleichzeitig gingen auch Asthmaanfälle zurück.

Erkrankungen und proteinarme oder proteinfreie Diäten

Bei Erkrankungen oder Gesundheitszuständen, die in Verbindung mit einem Mangel an Selen stehen, kommen täglich Selenmengen zwischen 200 – 400µg zur Verabreichung. Betroffen sind etwa Personen mit Phenylketonurie, Mukoviszidose oder Patienten, die unter chronischer Hämodialyse leiden. Auch Magen-Darmerkrankungen und chronische Erkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenentzündung, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und zystische Fibrose können mit einen Selenmangel verbunden sein.

Schwermetallvergiftungen

Bei chronischen Vergiftungen durch die Schwermetalle Quecksilber oder Blei können Selengaben den Entgiftungsprozess unterstützen.

Rheumatische Erkrankungen

Rheumatische Erkrankungen gehen oft mit einem niedrigen Selenspiegel einher. Selengaben können Untersuchungen nach, therapeutisch und präventiv zu positiven Effekten führen. Allerdings wird Selen bei rheumatischen Erkrankungen in Verbindung mit anderen antioxidativ wirkenden Nährstoffen gegeben, wie Zink, Vitamin A, Vitamin C Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren, bzw. Omega-6-Fettsäuren.

Rauchen

Raucher haben eine schlechtere Selenversorgung. Rauchen fördert die Verklumpung der Blutplättchen und erhöht so das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Je stärker die Verklumpung, desto niedriger war bei Rauchern in Untersuchungen der Versorgungsstatus mit Selen.

Krebs

Auch Krebspatienten zeigen niedrigere Selenspiegel. Mit dem Fortschreiten der Tumorkrankung sinkt auch der Selenspiegel. In zahlreichen Studien an Patienten mit Leberkrebs und Lungenkrebs zeigte sich eine begletende Selengabe von täglich 200 – 1000 µg zusammen mit Chemotherapie und Bestrahlung als günstig. Festgestellt wurde ein Zurückgehen der Nebenwirkungen, eine Verbesserung des Allgemeinbefindens sowie eine Optimierung der allgemeinen onkologischen Massnahmen.

Herz-Kreislauferkrankungen

Herzinfarktpatienten zeigen vergleichbar niedrigere Selenspiegel im Plasma und in den roten Blutkörperchen als Gesunde. Mit entsprechender Selenzufuhr sank die Anzahl von Zweitinfarkten und Todesfällen deutlich.

Immunsystem

Bei Selenmangel ist die Bildung von Antikörpern und Lymphozyten verringert und das Immunsystem ist anfälliger.

Kardiomyopathie (Herzinsuffizienz)

Die Keshan-Krankheit ist eine akute Herzschwäche, die mit Symptomen wie Schwindel, Atemnot, Schmerzen im Brustbereich, Erbrechen und Blutdruckabfall einhergeht. Die Keshan-Krankheit, so vermuten Wissenschaftler, steht neben anderen Mangelzuständen von Vitamin E, Metheonin oder chronischen Schweretallvergiftungen auch mit Selen in Verbindung. In China konnten vorbeugend 60 µg Selen täglich das Auftreten der Krankheit verhindern.

Selenmangel feststellen

ÄRZTLICHE UNTERSUCHUNG – DIAGNOSE 

Ob ein Selenmangel vorliegt, lässt sich durch verschiedene Verfahren feststellen. Als verlässlicher Status-Index gilt der Gluthationperoxidase-Spiegel im Blut. Eine Aktivität unter 30 E/g Hgb kann einen Mangel anzeigen.

Der Plasma-Selen-Spiegel gilt als Index für die kurzfristige Selenzufuhr aus der Nahrung. Normalwerte liegen bei 80 -150 µg/l.

Der Selen-Spiegel im Vollblut gibt nur bei extremem Selenmangel oder bei Vergiftungen Auskunft. Die Normalwerte in Mitteleuropa betragen 80 – 130 µg/l, während die Normalwerte in Nordamerika zwischen 100 – 250 µg/l betragen.

Der Selen-Spiegel im Haar gilt als Index für den Körperspeicher und kann durch selenhaltige Shampoos beeinflusst worden sein.  Normalwerte liegen bei 0,6 – 1,2 µg/l.

  

Folgen erhöhter Selenaufmnahme

SCHÄDLICHE AUSWIRKUNGEN BEI HOHER DOSIS MÖGLICH

Eine regelmäßige Zufuhr von ungefähr 200 µg Selen am Tag gilt noch als ungiftig. Die Überversorgung (Selenose) kann sich allerdings schädigend auswirken. Mögliche Anzeichen können u.a. sein:

  • Haarausfall
  • Deformation, Brüchigkeit und Ausfall von Fingernägeln und Zehennägeln
  • Übelkeit
  • Hautveränderungen
  • Beschwerden des Magen-Darmtrakts
  • Leberschäden
  • Störungen des zentralen Nervensystems

Bei einer Selenvergiftung riecht der Atem regelmäßig nach Knoblauch.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-Gemuese-Obst-2012.pdf – Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten
Klaus Bickhardt: Vitamin-E- und Selenmangel. Weißmuskelkrankheit, Nutritive Muskeldystrophie, Enzootische Muskeldystrophie. In: Martin Ganter (Hrsg.): Lehrbuch der Schafkrankheiten. 4. Auflage. Parey Verlag, Stuttgart 2001
Die Nährstoffe-Bausteine für Ihre Gesundheit. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn 2015.
Burgerstein, Dr. Lothar: Burgersteins Handbuch Nährstoffe. 11. vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Haug Verlag. 2007
H.K. Biesalski, J. Köhrle, K. Schümann. Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Prävention und Therapie mit Mikronährstoffen. Georg Thieme Verlag. Stuttgart – New York. 2002
Prof. Dr. I. Elmadfa, W. Aign et al. Die große GU-Nährwerttabelle. Verlag Graefe Unzer. 2.Auflage 2012
EFSA. Gesundheitsbezogene Angaben für Selen. Stand 19.Oktober.2010

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | aktualisiert 01/2019

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