Siliziumdioxid als Trennmittel E551 in vielen Lebensmitteln

E551 KÖNNTE GESUNDHEITSPROBLEME VERURSACHEN

Seit Jahrzehnten gilt nano-technisch aufbereitetes Siliziumdioxid in der Lebensmittelindustrie als unbedenklich. Doch neuere Studien weisen speziell das synthetische Siliziumdioxid nun im Körpergewebe nach und bringen dieses industriell hergestellte Nano-Material mit verschiedenen gesundheitlichen Wirkungen in Verbindung, die nach Auffassung der Forscher keineswegs harmlos sind.

EU-weit wird Siliziumdioxid als Lebensmittelzusatzstoff unter der Zulassungsnummer E551 in Produkten wie Instant-Kaffee, Scheibenkäse und geriebenem Käse, Speisewürze, Tütensuppen oder Kochsalz bedenkenlos eingesetzt. Auch in Bioprodukten darf der Zusatzstoff eingesetzt werden. Gewonnen wird E551 aus natürlichem Siliziumdioxid in Form von Quarzsand.

Viele Produzenten fügen das industriell erzeugte, stark feuchtigkeitsbindende Trennmittel Lebensmitteln in Trockenform zu, um sie vor Verklumpung und Feuchtigkeit zu schützen. Diese synthetische Form von Siliziumdioxid ist daher oft in pulverförmigen Nahrungsergänzungsmitteln, Babyprodukten und Kosmetikprodukten zu finden. Außerdem wird synthetisches Siliziumdioxid als wasserhaltiges Gel unter dem Namen Kieselgel, bzw. Silica Einsatz in verschiedenen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet. Aber der Stoff ist nicht nur Bestandteil von Produkten aus den Bereichen Ernährung und Kosmetik, sondern er ist in vielen in Haushaltsgeräten, Küchenutensilien und auch in lebensmittelnahen Verpackungen enthalten, über die er in ein Lebensmittel gelangen kann.

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Nanotechnisch aufbereitetes E 551 ist nicht verdaulich

KEIN ABBAU IM VERDAUUNGSTRAKT

Wie Untersuchungen europäischer Universitäten, Behörden und Institute ergaben, besitzt speziell das nanotechnisch aufbereitete Siliziumdioxid E 551 ein erkennbares Gefährdungspotential, das derzeit noch nicht abschließend bewertet werden kann.

E 551, das unter der Bezeichnung synthetisches amorphes Siliziumdioxid im Einsatz ist, zählt zu den anorganischen Nano-Erzeugnissen, die im Gegensatz zu organischen Nano-Erzeugnissen vom Körper nicht im Verdauungstrakt abgebaut werden.

Nach wissenschaftlicher Auffassung sind jedoch nur solche Stoffe ungefährlich, die im Verdauungstrakt vollständig gelöst werden können. Verschiedene Studienergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich das nanotechnisch aufbereitete E551 nach der Verabreichung in verschiedenen Organen ablagert und dort u. a. zu Störungen des Zellstoffwechsels, zu Entzündungen sowie zu vorzeitiger Zellalterung führen kann.

Ein ADI-Wert (acceptable daily intake) ist aktuell für diese synthetische Form von Siliziumdioxid (E551) nicht festgelegt. Der ADI-Wert zeigt die durchschnittliche Menge eines Stoffes an, die ein Mensch sein ganzes Leben lang täglich aufnehmen kann, ohne dass es zu einem gesundheitlichen Risiko kommt. Die Angabe erfolgt üblicherweise in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Nano-Material wirkt deutlich stärker als natürliches E 551

NANOPARTIKEL BESITZEN HÖHERE REAKTIONSFÄHIGKEIT

Nanopartikel werden in Nanometern gemessen und sie sind unvorstellbar klein. Nach der ISO-Norm 2008 und 2010 gilt der Bereich von 1-100 nm (Nanometern) als Nano-Größe. Ein Nanopartikel ist ungefähr 50.000 mal kleiner als der Durchmesser von einem menschlichen Haar und er besitzt deshalb im Vergleich physikalisch und chemisch eine wesentlich größere Wirksamkeit als gewöhnliche große Partikel. Nanopartikel gelangen durch ihre geringe Größe wesentlich leichter in die Zellen, ins Körpergewebe und somit auch in die Organe.

Weil Nano-Partikel viel stärker reaktionsfähig sind, können manche technisch hergestellte Nano-Materialien, zu denen auch das anorganische Nano-Siliziumdioxid zählt, den Körper toxisch stärker belasten.

Nano-Partikel bergen aber nicht grundsätzlich gesundheitliche Risiken, denn wenn Nano-Materialien organischer Natur sind, sind sie gerade wegen ihrer größeren Wirksamkeit in der Lage, ihre gesundheitsfördernde Wirkung im Körper schneller zu entfalten. Nanopartikel werden als Wirkstoffträger gezielt auch in einigen Arzneimitteln verwendet. In der Pharmazie nutzt man Nanopartikel in Größen von 50 nm bis 1000 nm. Zum Einsatz kommen solche Arzneimittel in Form von Nanokapseln, Nanosphärulen bzw. Nanopellets.

EFSA-Gremium nahm Neubewertung von Siliziumdioxid (E551) vor

NANO SILIZIUMOXID BLEIBT WEGEN FEHLENDER BEWERTUNGSGRUNDLAGEN WEITER IN LEBENSMITTELN EINSETZBAR

Auf Basis der neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse nahm das EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Nährstoffquellen 2018 eine Neubewertung von organischem und synthetischem amorphen Siliziumdioxid (E551) vor.

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Während sich für die organischen Siliziumdioxidformen auch weiterhin keine Hinweise auf Nebenwirkungen ergaben, fehlte dem EFSA-Gremium trotz der vorliegenden Hinweise zur gesundheitlich bedenklichen Wirkung von amorphem synthetischem Siliziumdioxid eine Basis zur Bewertung. Dem Gremium fehlte  eine Langzeitstudie zur Neubewertung eines möglichen Gesundheitsrisikos, die den gesamten Bereich mit allen Größen der verwendeten Nanopartikel abdeckt.

Nach Angaben des Gremiums  kamen die untersuchten Nanopartikel insgesamt in zu unterschiedlichen Größen in Lebensmitteln und biologischen Proben vor. Auch in Bezug auf die Siliziumform, die Freisetzung im Körper und andere Faktoren, ließen die bisherigen Studienergebnisse nach Ansicht der Experten zum Zeitpunkt ihrer Beurteilung noch kein aussagekräftiges Ergebnis zu, so sie ohne weitere Eingrenzung keine abschließende Entscheidung treffen wollten.

Das Gremium empfahl daher, zunächst geeignete Bewertungsgrundlagen zu schaffen und die EU-Spezifikationen für E551 anzupassen, damit der Stoff zukünftig angemessen beurteilt werden kann.

Im Rahmen der Bewertung empfahlen die Experten außerdem, die Grenzwerte für toxische Elemente wie Aluminium und Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Kadmium in den EU-Spezifikationen für E551 zu senken. Die toxischen Metalle kommen oft in Verbindung mit dem Lebensmittelzusatzstoff vor und können somit bei einer Anreicherung von synthetischem Siliziumdioxid (E551) vermehrt im Körper auftreten.

Das Gremium kam zu dem Schluss, dass bis auf weiteres insbesondere amporphes nanotechnisch aufbereitetes Siliziumdioxid unter der Bezeichnung E551 innerhalb der bestehenden Grenzen weiterhin in Lebensmitteln verwendet werden kann.

Siliziumdioxid/ Kieselsäure-Gel in Nahrungsergänzungsmitteln stufte ein früheres Expertengremium der EFSA 2009 bis zu einer zugesetzten Menge von 1.500 mg Siliziumdioxid  pro Tag als sicher ein.

Nach den vorliegenden Auswertungen hielten die Experten es für unwahrscheinlich, dass eine geschätzte Aufnahme von 20 – 50 mg Silizium täglich über die Nahrung Nebenwirkungen verursacht. Diese Menge entspricht bei einer Person mit einem Gewicht von 60 Kilogramm 0,3 – 0,8 mg/kg Körpergewicht am Tag.

Wirkung von Nano-Siliziumdioxid ist aktuell kaum auszuwerten

AKTUELL NOCH KEINE STANDARDISIERTEN TESTVERFAHREN VORHANDEN

Um die Wirkung von anorganischem nanotechnisch aufbereitetem Siliziumdioxid überhaupt effektiv auswerten zu können, fehlen Forschern derzeit noch klare Regularien, Prüfungsmethoden und Testverfahren. So wächst die Entwicklung nanotechnischer Materialien und ihre Nutzung in Lebensmitteln und Alltagsgegenständen schneller als die notwendigen, standardisierten Testverfahren, die in der Lage sind, eine entsprechende Risikobewertung von nanotechnisch aufbereitetem Silizium vorzunehmen. Immer noch fehlen auch belastbare Daten, so dass eine gezielte Bewertung kaum möglich ist.

Zudem sind Wissenschaftler aktuell auch nicht einig darüber, welche Produkte überhaupt als Nano-Produkte zu bezeichnen sind. Weitere Probleme bei der Auswertung von Testergebnissen bestehen außerdem darin, dass die Wirkung von Nano-Siliziumdioxid in Lebensmitteln von der Größe der Nanopartikel abhängig ist und zur Zeit immer noch entsprechende größenabhängige Zuordnungen fehlen, auf die man sich einigen konnte.

Unsicherheit für Verbraucher bei Verwendung von Siliziumdioxid (E551) bleibt

RISIKO FÜR DIE GESUNDHEIT BLEIBT VORERST BEI PRODUKTEN MIT E 551 BESTEHEN

Für die Verbraucher bedeutet die aktuelle Situation, dass der Lebensmittelzusatzstoff E551 in Form von amorphem kristallinem Siliziumdioxid nach geltendem Recht weiterhin auch in Lebensmitteln und lebensmittelnahen Produkten verwendet werden darf. Grund dafür sind die aktuell fehlenden wissenschaftlichen Bewertungsgrundlagen. Dabei kann die Aufnahme von synthetischem amorphen Siliziumdioxid für den Verbraucher durchaus mit einem Risiko für seine Gesundheit verbunden sein.

Wer das Risiko ausschalten will und zukünftig nur nach Zutatenliste einkauft, kann allerdings auch nicht immer sicher sein, ob das ausgewählte Produkt tatsächlich korrekt ausgezeichnet ist. Denn dass sich bei der Auszeichnung von Siliziumdioxid (E551) nicht alle Hersteller bei ihren Produkten an die Kennzeichnungspflichten halten, hat der BUND in Untersuchungen festgestellt.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

EFSA. Re-evaluation of silicon dioxide ( E 551) as a food additive. EFSA Journal (2018); 16(1):5088

K.H. Bauer, K.H. Frömming, C. Führer. Pharmazeutische Technologie. 5. überarbeitete Auflage. Verlag Gustav Fischer. 1997.

BUND Nanopartikel: Auch Lebensmittel trotz gesetzlicher Pflicht nicht gekennzeichnet

BUND Aus dem Labor auf den Teller. Die Nutzung der Nanotechnologie im Lebensmittelsektor

Astrid Schobert. Zusatzstoff-Ampel. Verlag Knaur. 2007

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 03/2019

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