Spannungskopfschmerzen zählen zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems

OFT IST EINE WIRKSAME THERAPIE MÖGLICH

Mit einem Anteil von 42 Prozent gelten Spannungskopfschmerzen im Erwachsenenalter neben Migräne und Cluster-Kopfschmerz weltweit als die häufigste Form von Kopfschmerzen. Nach Angaben der WHO leidet in Industrienationen mehr als ein Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte aller Frauen unter Symptomen der Kopfschmerzen vom Spannungstyp, allein in Deutschland sind es etwa 25 Millionen. Auf die körperlichen Ursachen gibt es bislang erst nur wenige Hinweise, aber einige Auslöser sind bekannt.

Die chronische Form von Spannungskopfschmerzen betrifft 1-3% der Erwachsenen und kann das familiäre, soziale und berufliche Leben stark beeinträchtigen. Auch finanzielle Beeinträchtigungen sowie psychische Belastungen können die Folge sein. Zwar kennt man bis heute kein spezielles Medikament gegen Spannungskopfschmerzen,  dennoch lassen sich Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit verschiedenen gebräuchlichen Medikamenten und nichtmedikamentösen Therapien meist wirksam behandeln.

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Typen von Spannungskopfschmerz

ABGRENZUNG ZWISCHEN SPORADISCHEM UND CHRONISCHEM TYP

Ob Spannungskopfschmerzen sporadisch oder bereits chronisch sind, hängt von der Häufigkeit des Auftretens ab, die jeweils als „Episode“ bezeichnet wird.

Episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp

Wenn mehrere Symptome an weniger als 15 Tagen im Monat auftreten, spricht man von sporadischen oder episodischen Spannungskopfschmerzen. Hiervon ist nach Angaben der WHO mehr als 70% der Bevölkerung betroffen. Episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp können zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen anhalten und sind oftmals von schmerzhaften Verhärtungen im Bereich der Kaumuskulatur, der Nackenmuskulatur und der Halsmuskulatur begleitet.

In den Leitlinien zur Therapie von episodischem und chronischem Kopfschmerz werden episodische Spannungskopfschmerzen in der IHS-Klassifikation unter IHS 2.1 und IHS 2.2 noch einmal unterschieden, wobei IHS 2.1 nur sporadisch auftretende Kopfschmerzen bezeichnet, die weniger als 12 Tage im Jahr auftreten. IHS 2.2 erfasst dagegen häufig auftretende episodische Spannungskopfschmerzen, die mindestens 1 x pro Monat und maximal 14 x pro Monat auftreten. Man geht davon aus, das Betroffene, die in der Klassifizierung unter IHS 2.2 fallen, ein höheres Risiko für die Entwicklung von chronischen Spannungskopfschmerzen haben.

Chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp

Treten die Spannungskopfschmerzen jedoch durchschnittlich öfter als 14 Tage pro Monat auf und für länger als 3 Monate, spricht die IHS-Klassifizierung vom chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp (cSK). Beim chronischen Typ können die Beschwerden über Stunden anhalten oder auch dauerhaft vorhanden sein und den Betroffenen viel stärker behindern als die Kopfschmerzen beim episodischen Typ.

Der chronische Kopfschmerz findet sich in den Leitlinien zur Therapie von episodischem und chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp in der IHS-Klassifikation unter IHS 2.3. Dieser Kopfschmerztyp ist in Industrienationen verbreiteter als in ländlichen Gebieten und Entwicklungsländern und tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. Es gibt Hinweise darauf, dass chronische Spannungskopfschmerzen mit strukturellen Veränderungen im Bereich des schmerzverarbeitenden Systems einhergehen, die in bildgebenden Verfahren den Rückgang der grauen Substanz zeigten.

Wissenschaftlich umstritten ist immer noch die Abgrenzung von chronischen Spannungskopfschmerzen zur Migräne.

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Die Mehrzahl der Patienten mit Kopfschmerz vom chronischen Spannungstyp hatte zuvor unter episodischen Spannungskopfschmerzen gelitten.

Mögliche Begleiterkrankungen

Auch Schlafstörungen können auftreten.

Symptome

ANZEICHEN VON SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN

Bei vielen Betroffenen äußern sich die Symptome von Spannungskopfschmerzen als milder bis höchstens mittelschwerer Kopfschmerz, dumpf-drückend, aber nicht pulsierend. Empfunden werden die Symptome mitunter wie ein „zu enger Hut“ oder „ein Band um den Kopf“, das sich vom Nackenbereich ausbreitet. Erbrechen tritt nicht auf, während Appetitlosigkeit auftreten kann. Die Symptome betreffen meist den gesamten Kopfbereich, seltener treten sie halbseitig auf und könnten dann aber auch auf eine andere Ursache wie etwa Migräne hinweisen. Auch eine Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder eine Überempfindlichkeit bei Geräuschen (Phonophobie) kann zu den Anzeichen von Spannungskopfschmerzen zählen. Nur der chronische Typ kann außerdem unter leichter Übelkeit leiden.

Durch normale Aktivitäten kommt es nicht zu einer Verstärkung der Kopfschmerzen, während sich Entspannung bei vielen Betroffenen lindernd auswirkt.

Diagnose

BEGLEITSYMPTOME WERDEN BEI SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN ABGEKLÄRT

Zur Ermittlung der Diagnose ist bei Spannungskopfschmerzen neben der Anamnese die genaue Beschreibung der Kopfschmerzsymptome von Bedeutung. Neben Mirgräne werden auch Kopfschmerzen vom Spannungstyp als primäre Kopfschmerzen bezeichnet, weil sie auf keine andere Grunderkrankung zurückzuführen sind. Eine neurologische Untersuchung muss deshalb ohne Befund sein. Um sekundäre Ursachen wie eine chronische Entzündung oder den Pseudotuzmor cerebri (idiopathische intrakarnielle Hypertension) ausschliessen zu können, wird die Diagnose bei Bedarf ausgeweitet.

Auch wenn etwa Begleitsymptome wie Schlafstörungen oder Tagesmüdigkeit auftreten, wird ausgeschlossen, das ein Schlaf-Apnoe-Syndrom vorliegt. Sollte der Arzt in der Mundhöhle Aufbissspuren feststellen, kann sich eine zahnärztliche Untersuchung anschließen.

Schläfenkopfschmerzen und Sehstörungen bei Patienten über 50 Jahre können außerdem auf eine Riesenzellenarteriitis hindeuten, die es auszuschließen gilt. Die systemische Gefäßentzündung befällt den ganzen Körper und lässt auch die Schläfenarterien bis hin zum völligen Verschluss anschwellen. In den Entzündungsherden finden sich Fresszellen des Immunsystems, die miteinander zu Riesenzellen verschmelzen.

Nach Angaben der WHO bemühen sich auch bei Spannungskopfschmerzen viel zu wenige Betroffene um eine adäquate medizinische Betreuung.

Auslöser

AUSLÖSER BEI SPANNUNGSKOPFSCHMERZEN SIND VIELFÄLTIG

Neben muskulären Fehlhaltungen gelten in den Leitlinien insbesondere Stress und fieberhafte Infekte bei Spannungskopfschmerzen als Auslöser oder verstärkende Faktoren.

Das Umwelt Bundesamt gibt darüber hinaus viele weitere Faktoren an, für die in verschiedenen Studien als Auslöser von Kopfschmerzen nachgewiesen wurden. Hierzu zählen im Einzelnen z.B.:

  • Ungenügendes Trinken
  • Individuelle Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Alkohol
  • Glutamat
  • Aspartam
  • Erschöpfung
  • Bewegungsmangel und auch zuviel Bewegung
  • Anti-Baby-Pille
  • Hormonersatztherapie
  • Tabakrauch
  • Kohlendioxid und Kohlenmonoxid in schlechter Raumluft
  • Flüchtige organische Verbindungen in Farben, Lacken, Lösungs- und Reinigungsmitteln

Therapie – Verfahren gegen Spannungskopfschmerzen

NICHT VERSCHREIBUNGSPFLICHTIGE MEDIKAMENTE 

In der akuten Therapie werden bei episodischen und chronischen Spannungskopfschmerzen verschiedene Medikamente mit belegter Wirksamkeit eingesetzt. Es handelt sich dabei um nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel, wie sie auch zur Selbstbehandlung zur Verfügung stehen, zählen:

Pfefferminz: Wirkung - Inhaltsstoffe - Verwendung

Pfefferminzöl bei Kopfschmerz vom Spannungstyp

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Pfefferminzöl so wirksam wie Schmerztabletten

Erfahren Sie mehr über den Einsatz von Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerz. Zulassung für Kinder ab dem 6. Lebensjahr.

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  • Acetylsalicylsäure
  • Paracetamol
  • Ibuprofen
  • Naproxen
  • Metamizol
  • fixe Wirkstoffkombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein
  • Ätherisches Pfefferminzöl

Eine akute Therapie, wie sie zur Schmerzlinderung angezeigt ist, sollte 10 Tage nicht überschreiten.

VERSCHREIBUNGSPFLICHTIGE MEDIKAMENTE BEI CHRONISCHEM KOPFSCHMERZ VOM SPANNUNGSTYP

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen kann eine konservative medikamentöse Therapie mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Anwendung kommen, deren Erfolg in der Regel erst nach mehreren Wochen abschätzbar ist. Bislang gibt es keine zugelassenen Medikamente mit belegter Wirksamkeit speziell zum Einsatz bei chronischen Spannungskopfschmerzen, so dass in der Regel auf solche Medikamente zugegriffen wird, die auch bei Begleiterkrankungen von chronischen Spannungskopfschmerzen wie Muskelschmerzen, Depressionen oder Schlafstörungen zugelassen sind. Von den Krankenkassen werden die Mittel nach ärztlicher Verordnung in aller Regel erstattet. Neben Antidepressiva können hierbei auch zentral wirkende Muskelrelaxantien angewendet werden.

Wie wirksam eine medikamentöse Therapie ist, lässt sich erst nach 4-8 wöchiger Einnahme feststellen. Allerdings zeigt eine medikamentöse Therapie ohne gleichzeitige, allgemeine Massnahmen nur eine Wirksamkeit von 40-45%.

Am wirksamsten hat sich bei Spannungskopfschmerzen in Studien das Antidepressivum Amitriptylin gezeigt. Amitriptylin gilt in den Leitlinien als Mittel der 1.Wahl, das u.a. jedoch bei vorliegenden Erkrankungen wie Glaukom, Herzinsuffizienz, Demenz nicht angewendet werden darf. Zum Einsatz kommen alternativ  u.a. auch das Antidepressivum Mirtazapin bzw. Venlafixin oder das Muskelrelaxans Tizanidin.

KEINE ZULASSUNG MEHR FÜR WIRKSTOFF FLUPIRTIN

Für den verschreibungspflichtigen Wirkstoff Flupirtin, der sich auch bei Kindern mit Spannungskopfschmerz als wirksam erwiesen hatte, ist seit dem 26. April 2018 aufgrund des hohen Risikos für Leberschäden die Zulassung EU-weit widerrufen worden. Flupirtin wurde in Hartkapseln, Retardtabletten und Zäpfchen verarbeitet. Als Medikament kam der Wirkstoff Flupirtin unter folgenden Bezeichnungen in den Handel:

Zurückgerufene Medikamente mit Flupirtin

  • Flupirtin-Aristo
  • Flupirtinmaleat-Hormosan
  • Flupigil
  • Katadolon
  • Trancopal Dolo
  • Flupirtin-Winthrop
  • Katadolon S Long
  • Trancolong
  • Katadolon Zäpfchen

BIOFEEDBACK – PHYSIKALISCHE THERAPIE – ENTSPANNUNGSVERFAHREN

Für einige nicht medikamentöse Therapien gibt es Studienergebnisse, die eine positive Wirkung bei Spannungskopfschmerzen belegen und darüber hinaus auch vorbeugend wirken. Am effektivsten sind nach wissenschaftlicher Auswertung aber Kombinationen aus verschiedenen Therapieformen, die zusätzlich zur Therapie mit Medikamenten empfohlen werden. Auch Ausdauersport gilt als bewährte Massnahme. Folgende Therapien werden empfohlen:

Bei den nicht medikamentösen Therapieformen zeigt das Biofeedback die gleiche Wirksamkeit wie das Antidepressivum Amitriptylin und gilt als empfehlenswerteste nicht medikamentöse Maßnahme. Allerdings sind mindestens 6-10 Sitzungen nötig und es sind nur wenige Therapieangebote vorhanden. Eine Therapie mit Biofeedback zeigte keine nennenswerten Nebenwirkungen.

Trotzdem derzeit nur wenige Studien zur Verfügung stehen, gelten auch die Manuelle Therapie sowie die Physiotherapie als mögliche weitere Therapieformen, die zudem hohe Akzeptanz bei den Patienten haben.

Als Therapiemaßnahme mit geringerer Wirksamkeit hat sich die klassische Akupunktur erwiesen.

Studien, in denen ein Antidepressivum mit einer Therapie zur Stressbewältigung verbunden wurde, waren gegenüber einer Einzeltherapie deutlich erfolgreicher. Ungefähr 65% der Studienteilnehmer berichtete über eine Verbesserung des Schmerz-Scores um die Hälfte, der umfasste Dauer und Intensität der Spannungskopfschmerzen.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 12/2018

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