Häufigkeit von Speiseröhrenkrebs

FRAUEN ERKRANKEN AN SPEISERÖHRENKREBS OFT SPÄTER ALS MÄNNER

Der Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) zählt in Deutschland eher zu den selteneren Krebsarten. Nur etwa 5% der Karzinome des Verdauungstrakts werden durch Karzinome der Speiseröhre verursacht.

Im Jahr 2010 erkrankten nach Angaben des Krebsinformationsdienstes etwa 4.900 Männer und 1.400 Frauen an der Krankheit. Das mittlere Erkrankungsalter der Männer betrug dabei 66 Jahre, während betroffene Frauen im mittleren Alter von 70 erkrankten.

Definition und Beschreibung

BÖSARTIGER TUMOR DER SPEISERÖHRE

Der Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) ist ein bösartiger, unkontrolliert wachsender Tumor, der meist von der Schleimhaut der Speiseröhre (Ösophagus) ausgeht. Man unterscheidet zwischen dem Adenokarzinom, das aus den Drüsenzellen im unteren Teil der Speiseröhre entsteht und dem häufigeren Plattenepithelkarzinom, das sich aus den Deckzellen (Epithelzellen) der Schleimhaut bildet, die die Speiseröhre auskleidet.

Karzinome der Speiseröhre treten gehäuft an drei physiologischen Engstellen auf:

  1. Speiseröhreneingang (20%)
  2. Aortenenge (40%)
  3. Zwerchfellenge (40%)

Plattenepithelkarzinome treten zu 50% im oberen und mittleren Drittel der Speiseröhre auf, während Adenokarzinome häufig im unteren Drittel vorkommen.

Mögliche Anzeichen

BISLANG KEINE FRÜHERKENNUNG MÖGLICH 

Der Speiseröhrenkrebs verursacht im Frühstadium zumeist keine Beschwerden. Erst bei fortschreitender Einengung der Speiseröhre durch den Tumor entstehen spürbare Beschwerden. Einige Symptome gelten als wichtige Warnsignale, die Anlass zu einer ärztlichen Untersuchung geben sollten:

  • Längeres Sodbrennen
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie)
  • Wiederaufstoßen der Nahrung (Regurgitation)
  • Appetitlosigkeit
  • Leistungsschwäche
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Blutungen
  • Nicht erklärliches Erbrechen

Mögliche Ursachen

OFT GENUSSGIFTE AN SPEISERÖHRENKREBS BETEILIGT

Als größte Risikofaktoren bei der Entstehung von Speiseröhrenkrebs gelten bei beiden Tumorarten gemeinsam drei Faktoren, nämlich chronischer Alkoholkosum, chronischer Nikotinkonsum sowie Verletzungen der örtlichen Schleimhäute durch Säure oder Lauge. Der gleichzeitige Genuss von Alkohol und Nikotin wirkt außerdem verstärkend auf eine mögliche Entstehung von Speiseröhrenkrebs.

Mögliche Risikofaktoren für das Plattenephitelkarzinom

  • Tabak
  • Alkohol
  • Strahlentherapie im Bereich des Halses und des Thorax
  • Tumore des Kopf- und Halsbereichs
  • Funktionsstörung der Speiseröhre (Achalasie)
  • Verengungen (Stenosen) nach Verätzungen mit Säure oder Lauge

Mögliche Risikofaktoren für das Adenokarzinom

Mögliche Folgen

OFT ERST SPÄTE ENTDECKUNG

Etwa die Hälfte der Patienten sind bei der Entdeckung des Karzinoms bereits inoperabel und das Karzinom hat bereits Metastasen (Absiedelungen) in den örtlichen Lymphknoten ausgebildet.

PROGNOSE VON SPEISERÖHRENKREBS

Die Prognose bei Speiseröhrenkrebs gestaltet sich statistisch insgesamt ungünstig. Eine besonders ungünstige Prognose haben dabei Karzinome, die im oberen Drittel gelegen sind, weil sie ausgedehnte Möglichkeiten haben, in die Lymphknoten zu metastasieren.

Besonders bei Plattenephitelkarzinomen können therapeutische Möglichkeiten dadurch eingeschränkt sein, dass durch die Beteiligung von Alkohol- und Tabakkonsum häufig Begleiterkrankungen vorliegen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt ohne Operation etwa 6-12 Monate. Die 5-Jahres-Überlebensrate mit Operation wird ungefähr bei 10%-15% eingestuft, bei Karzinomen des oberen Drittels beträgt sie jedoch nur etwa 2%.

Diagnose

MÖGLICHE UNTERSUCHUNGSVERFAHREN BEI VERDACHT AUF SPEISERÖHRENKREBS

Die Sicherung der Diagnose sowie die erweiterte Diagnostik erfolgen durch verschiedene Verfahren:

  • Röntgen
  • (Video-)Endoskopie (ÖGD) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie)
  • (computergestützte) Chromoendoskopie
  • Endoskopischer Ultraschall (EUS)
  • Bild-Sonographie
  • Multidetektor-Computertomographie (MDCT)
  • Magnetresonanztherapie (MRT)
  • PET/CT (Positronen-Emissionstomographie/ Computertomographie)
  • Flexible Bronchoskopie
  • Diagnostische Laparoskopie

Die histologische Klassifikation und Stadieneinteilung der Kazinome der Speiseröhre erfolgt regelmäßig nach folgenden Grundlagen:

  • WHO-Klassifikation
  • TNM-Klassifikation

Als Tumor der Speiseröhre werden danach nur die Tumoren definiert, deren Zentrum nicht weiter als 5 cm vom ösophagogastralen Übergang (Übergang der Speiseröhre zum Magen) liegt und in den ösophagogastralen Übergang hinein reicht. Tumor außerhalb dieser Reichweite werden als Magenkarzinome klassifiziert.

Mögliche Massnahmen

HÄUFIG WERDEN VERSCHIEDENE VERFAHREN KOMBINIERT

Die Behandlung von Speiseröhrenkrebs richtet sich maßgeblich danach, ob eine Operation bei Diagnosestellung noch möglich ist. Eine Operation, bei der große Teile der Speiseröhre entfernt werden, bietet die einzige Chance auf Heilung.

  • Chirurgischer Eingriff:  Ösophagusresektion zur Entfernung von Teilen der Speiseröhre
  • Strahlentherapie zur Tumorverkleinerung vor dem Eingriff
  • Strahlentherapie bei inoperablem Tumor
  • Chemotherapie zur Tumorverkleinerung vor dem Eingriff

Bei inoperablen Patienten können palliative Eingriffe zur Offenhaltung der Speiseröhre vorgenommen oder Therapien zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt werden. Dazu zählen:

  • Operative Eingriffe zur Offenhaltung der Speiseröhre: Tubuseinlage, Darminterponat, PEG-Einlage (perkutane endoskopische Gastrostomie)
  • Bestrahlungen
  • Antikörpertherapie (nur bei Krebszellen mit besonderen Strukturen möglich)
  • Lasertherapie
  • Radiochemotherapie nur bei Patienten ohne fortgeschrittene Erkrankung

ERNÄHRUNG VOM ZUSTAND ABHÄNGIG

Die Form der Ernährung richtet sich bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs weitgehend nach dem Zustand des Betroffenen und reicht von normaler Vollkost bis hin zur Ernährung über die PEG-Sonde.

Den Betroffenen wird eine Ernährungstherapie empfohlen, die bestmöglich gegen starkes Untergewicht und Mangelversorgung ausgerichtet ist, denn körperlich wenig beeinträchtigte Patienten können die belastenden Behandlungen oft deutlich besser verkraften.

SPEISERÖHRENKREBS VORBEUGEN DURCH RICHTIGE ERNÄHRUNG

Studienergebnissen zufolge konnte nachgewiesen werden, dass ein regelmäßiger und ausreichender Konsum mit Vitamin C, Vitamin E, Betacarotin (Vorstufe von Vitamin A) und Selen das Risiko für Speiseröhrenkrebs und Magenkrebs signifikant senken kann. Aus diesem Grunde raten Ernährungsmediziner vorbeugend zu einem gesteigerten regelmäßigen Konsum von Obst und Gemüse, in denen die wertvollen Antioxidantien natürlich enthalten sind.

Daneben wird unbedingt zum Abbau von chronischem Alkohol– und Nikotinkonsum geraten.

Als hilfreich gilt außerdem, Verletzungen der Schleimhäute von Mund, Speiseröhre und Magen zu vermeiden, die beispielsweise durch zu heiße Getränke oder zu feste und scharfkantige Nahrungsbestandteile verursacht werden können.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/weitere-tumorarten/speiseroehrenkrebs.php

Porschen, R., Buck, A., Fischbach, W. et al.: Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus, 2015, AWMF Registernummer: 021/023OL. Stand 09/2015.

Eiter Josefa, Eder Gerlinde, Mair Maria: Ernährungslehre und Diätetik. 8.Auflage. 2008. Trauner Verlag.

Innere Medizin. 7. Auflage. Weisse Reihe Band 4. 2004. Elsevier GmbH. Urban & Fischer Verlag.

Biesalski, H.K.: Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum der Bundesärztekammer und der DGE. 2010. Verlag Thieme

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016