Radon gelangt auch über das Trinkwasser in den Körper

TRINKWASSERBELASTUNG MIT RADON ERHÖHT DIE INNERE STRAHLENBELASTUNG  

Eine Trinkwasserbelastung mit dem radioaktiven Edelgas Radon (RN-222) lässt die innere Strahlenbelastung im Körper ansteigen. Das leicht wasserlösliche Radon kommt natürlich in einigen Gesteinen vor und wird nicht nur über die Bodenluft, sondern auch über Wasserleitungen in Häuser und Gebäude transportiert. So kann es unbemerkt in die Atemluft und das Trinkwasser gelangen und von da aus in den Körper.

Wenn Radon aus belastetem Trinkwasser etwa beim Duschen oder Kochen freigesetzt wird, trägt es zur Erhöhung der Radonkonzentration in der Raumluft bei.

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Für Radon, das zum Schutz der Bevölkerung wegen seiner lungenkrebsfördernden Wirkung in der Raumluft von Innenräumen im neuen Strahlenschutzgesetz verankert wurde, gilt seit 2018 ein Referenzwert von 300 Bequerel (Bq) pro Kubikmeter Raumluft.

Dagegen gibt es für die gesundheitlich tolerable Menge an Radon, die sich im Trinkwasser höchstens befinden darf, aktuell nur eine Empfehlung.

Empfohlen ist eine Radonkonzentration von nicht mehr als 100 Bq pro Liter, deren Höhe aber in einigen Gebieten Deutschlands wegen der geologischen Gegebenheiten teilweise stark überschritten wird.

Einige Bundesländer haben Trinkwasser mit hoher Radonkonzentration

TRINKWASSER-BELASTUNG MIT RADON IN DEUTSCHLAND GEBIETSWEISE HOCH 

Während in Deutschland die Trinkwasserbelastung durch Radionuklide, zu denen auch Radon zählt, insgesamt als gering eingestuft wird, kommt es in verschiedenen Gebieten aber zu hohen Radonbelastungen im Trinkwasser, die durch die spezielle Beschaffenheit des Bodens entstehen. Besonders davon betroffen sind Regionen mit harten Gesteinen, bzw. Granitgesteinen.

Diese Ergebnisse lieferte eine 2009 veröffentlichte repräsentative Studie vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Untersucht wurden 582 Trinkwasserproben aus größeren Wasserversorgungsanlagen und weitere Proben aus Gebieten mit natürlich erhöhter Radiokaktivität. Die untersuchten Proben beziehen sich gebietsweise zum Teil auf Trinkwässer, die von mehreren Millionen Menschen täglich genutzt werden. Neben Radon-222 kamen auch Uran-238, Radium-226, Plumbum-210 und Polonium-210 zur Untersuchung. Beauftragt wurde die Studie vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Wenn alle Empfehlungen und empfohlenen Richtwerte des Bundesamts für Strahlenschutz in Bezug auf die Radonbelastung im Trinkwasser einheitlich von deutschen Wasserversorgern eingehalten und umgesetzt werden würden, hätte aktuell fast ein Viertel aller deutschen Wasserversorger zu hohe Radonkonzentrationen und müsste Maßnahmen zur Senkung einleiten. Großen Einfluss auf das hohe Gesamtergebnis nimmt insbesondere die Empfehlung des BfS, den empfohlenen Richtwert von Radon im Trinkwasser für Säuglinge einzuhalten.

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Bundesländer, bei denen die Auswertung von Wasserproben pro Liter im Mittelwert hohe und überdurchschnittlich hohe Aktivitätskonzentrationen von Radon-222 ermittelte:

  • Sachsen (42 Bq/l)
  • Thüringen (21 Bq/l)
  • Rheinland-Pfalz  (9,9 Bq/l)
  • Bayern (9,4 Bq/l)

Gebiete mit den höchsten Einzelwerten:

  • Wunsiedel im Fichtelgebirge/Bayern (1800 Bq/l)
  • Annaberg/Sachsen (780 Bq/l)
  • Bayreuth/Bayern (420 Bq/l)
  • Aue Schwarzenberg/Sachsen (380 Bq/l)
  • Mittlerer Erzgebirgskreis/Sachsen (330 Bq/l)

Landkreise mit Radonwerten im Trinkwasser von mehr als 100 Bq/l:

  • Mittlerer Erzgebirgskreis/Sachsen
  • Fichtelgebirge/Bayern
  • Thüringer Gebirge

DURCHSCHNITTSWERTE AUS TRINKWASSERBELASTUNG MIT RADON SIND GERING

Im gesamtdeutschen Durchschnitt ermittelte die Studie, dass Erwachsene jährlich durch alle untersuchten Radionuklide im Trinkwasser einer Belastung von 0,009 Millisievert ausgesetzt sind, während für Säuglinge mit 0,05 Millisievert die Belastung noch höher ist. Die Höhe der natürlichen Strahlung, der ein Bürger jährlich durch verschiedene Quellen ausgesetzt ist, beträgt insgesamt circa 2,1 Millisievert. Im Ergebnis macht somit die Strahlenbelastung durch Radon im Trinkwasser statistisch trotz der erheblichen Schwankungsbreite nur einen geringen Teil der natürlichen Strahlenbelastung aus.

Allgemein wird eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung auch bei höheren Konzentrationen von Radon im Trinkwasser ausgeschlossen, allerdings besteht nach Expertenansicht teilweise doch ein vorsorglicher Handlungsbedarf zum Schutz vor der überhöhten radioaktiven Strahlung, die gebietsweise von Radon im Trinkwasser ausgeht.

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Radon - Strahlenschutzgesetz

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Referenzwert für Radon eingeführt

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WHO empfiehlt Aktivkohlefilter oder Belüftungssysteme

HOHE RADONBELASTUNGEN IM TRINKWASSER SENKEN

Bei hohen Radonkonzentrationen im Trinkwasser empfiehlt die WHO, Trinkwasservorräte durch Aktivkohlefilter oder entsprechende Belüftungssysteme zu senken.

Legt man zugrunde, dass die empfohlene Flüssigkeitsaufnahme beim Erwachsenen 1,5 pro Tag beträgt, kann die tägliche Radonaufnahme in der Bevölkerung gebietsweise bisher deutlich über dem empfohlenen Wert liegen, wenn ein Großteil der aufgenommen Flüssigkeit aus radonbelastetem Grundwasser oder Trinkwasser stammt.

Aktivkohlefilter und Belüftung reduzieren Trinkwasserbelastung mit Radon

VERFAHREN UND METHODEN ZUR ENTFERNUNG VON RADON AUS DEM TRINKWASSER

Die Trinkwasserbelastung mit Radon lässt sich durch zwei Verfahren erfolgreich senken. Aktivkohlefilter sowie der Gasaustausch durch Belüftung gelten als die beiden Verfahren, mit denen die Belastung durch Radon zuverlässig reduziert werden kann. Bedienstete in Wasserwerken können unter Umständen dabei einer erhöhten Strahlung ausgesetzt sein.

Generell ist Trinkwasser, das aus Grundwasser, Brunnen, Quellen oder Bohrlöchern gewonnen wird, meist höher mit Radon belastet, als oberflächlich gewonnenes Trinkwasser aus Seen, Flüssen oder Reservoiren. Radon, das in Trinkwasser gelöst ist, wird üblicherweise in die Luft abgegeben. Im Regenwasser findet sich das Radionuklid dagegen kaum.

Aktivkohlefilter

Aktivkohlefilter können radonbelastetes Trinkwasser um einen Wert von bis zu 99 Prozent reduzieren. Die Aktivkohle nimmt das Radon auf und hält es zurück, bis es größtenteils an der Luft zerfallen ist. Aktivkohlefilter sind für kleine Wasserwerke und Hauswasseranlagen geeignet. Gleichzeitig halten sie auch Elemente mit starker Gamma-Strahlung zurück.

Gasaustausch durch Belüftung

Verschiedene Methoden ermöglichen einen Gasaustausch durch Belüftung, um die Radonkonzentration im Trinkwasser zu senken.

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Radon - Entstehung & Vorkommen

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Das unsichtbare Edelgas

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Während durch das Versprühen des radonbelasteten Wassers eine Dekontamination von 70 bis 95 Prozent erreichbar ist, erzielt die Methode der Blasenbelüftung bis zu 99 Prozent.

Die Blasenbelüftung wird z.B. im Wassertank mit Keramiksteinen durchgeführt. Auch die Füllkörpersäule, ein spezieller Apparat zur Entgasung, kann den Radongehalt im Trinkwasser um bis zu 99 Prozent reduzieren.

Allein durch die Bevorratung von Trinkwasser in offenen Behältern kann sich der Radongehalt bereits verringern.

Radonmessungen im Trinkwasser

RADONWERT MUSS ÜBERWACHT WERDEN

Weil Radon nach der Trinkwasserverordnung als regelmäßig zu überwachendes Radionuklid eingestuft wurde, mussten Versorger bis Ende 2019 eine Erstuntersuchung durchführen und so die durchschnittliche jährliche Radonaktivitätskonzentration ermitteln. Jedes Quartal ist oberhalb bestimmter Radonkonzentrationen eine neue Analyse des Trinkwasser erforderlich.

Eine Messung der Trinkwasserbelastung mit Radon erfolgt durch Flüssigszintillations-Spektrometrie. Mitarbeiter des Wasserwerks können die nötigen  Wasserproben selbst entnehmen und an ein akkreditiertes Labor zur Analyse senden.

Die Probennahme ist speziell zum Nachweis von Radon nicht unproblematisch, denn zum einen kann Radon während der Entnahme schon aus dem Wasser entweichen und zum anderen kann Radon durch eine längere Transportzeit bis zur Analyse im Labor wegen seiner geringen Halbwertszeit bereits verfallen sein. Diese Faktoren können die Analyseergebnisse zur Radonkonzentration im Trinkwasser beeinflussen.

KEIN RADON WASSERTEST ONLINE FÜR VERBRAUCHER VERFÜGBAR

Einen Wassertest, den Verbraucher selbst online bestellen können, um den Radongehalt ihres Trinkwasser untersuchen zu lassen, gibt es aktuell nicht. Zur Bestimmung des Radionuklids Uran können Verbraucher online einen Wassertest bestellen.

JÄHRLICHER NACHWEIS NÖTIG

Zum jährlichen Nachweis, dass der Parameterwert von 100 Bq/l Trinkwasser Radon eingehalten wird, dient ein Mittelwert der Proben aus vier Quartalen.

Keine weiteren Untersuchungen sind notwendig, wenn die Gesamt-Alpha-Aktivitätskonzentration unter von 0,05 Bq/l blieb.

Weitere Analysen und Maßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration sind dann erforderlich, wenn der Parameterwert überschritten wird. Untersuchungen können außerdem behördlich gefordert werden.

Trinkwasserschutz für Radon noch nicht rechtsverbindlich geregelt

BASIS BILDEN EURATOM-RICHTLINIE UND EINE EMPFEHLUNG

Radon kann nicht nur in das Grundwasser eindringen, sondern auch in Wasserversorgungsanlagen und Rohrleitungen und dort zu Trinkwasser-Belastungen führen. Um die natürlichen radioaktiven Belastungen im Körper möglichst gering zu halten, empfiehlt die Strahlenschutzkomission, dass die Radonkonzentration im Trinkwasser 100 Bq pro Liter nicht übersteigen soll.

Seit 2013 ist die europäoische Euratom-Richtlinie in Kraft, die auch den Schutz vor radioaktiven Stoffen im Trinkwasser regelt. Die Richtlinie, die seit 2015 mit der Dritten Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) gleichzeitig Bestandteil der deutschen Trinkwasserverordnung wurde, soll sicherstellen, dass radioaktive Verunreinigungen im Trinkwasser zuverlässig überprüft, erkannt und beseitigt werden.

Grundlage zur Umsetzung der Richtlinie in der BRD bildet der „Leitfaden zur Untersuchung von radioaktiven Stoffen im Trinkwasser bei der Umsetzung der Trinkwasserverordnung“ aus dem Jahre 2017.

Die Anwendung des Trinkwasser-Leitfadens wird den Wasserversorgern von verschiedenen Ministerien, Ämtern und Verbänden empfohlen:

  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
  • Umweltbundesamt (UBA)
  • Landesbehörden
  • Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW)
  • Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Maßnahmen zur Qualitätsicherung bei deutschen Trinkwässern

FÜR RADON BESTEHEN BISLANG KEINE RECHTSVERBINDLICHEN VORGABEN

Gesetzlich verankerte Radon-Referenzwerte für Trinkwasser, die Wasserversorger einhalten müssen, gibt es bislang nicht. Große Wasserversorgungsbetriebe sind durch die Trinkwasserverordnung verpflichtet, bis Ende 2019 ihr Trinkwasser auf die Konzentration von Radionukliden untersuchen zu lassen.

Zur Sicherung der Trinkwasserqualität, führt das Bundesamt für Strahlenschutz in der Regel in einem Zeitraum von 24 Monaten Ringversuche durch, in denen die natürlichen Radionuklide im Trinkwasser untersucht werden. In Einzelfällen können so Massnahmen zum Bevölkerungsschutz getroffen werden und Radionuklidkonzentrationen im Trinkwasser gesenkt werden.

KEIN MAGENKREBS DURCH RADONBELASTETES TRINKWASSER

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann nach bisherigen Studienergebnissen kein erhöhtes Risiko von Magenkrebs in Verbindung mit radonhaltigem Trinkwasser festgestellt werden.

BMU: Schutz vor radioaktiven Stoffen im Trinkwasser

WHO: Radon and health. 30. Juni 2016.

WHO: Guidelines for Drinking-water Quality. 2017 (PDF)

Bundesamt für Strahlenschutz: Strahlenexposition durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser der Bundesrepublik Deutschland. urn:nbn:de:0221-20100319945. BfS-SW-06/09.

S1-Leitinie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin. 002/035: Radon in Innenräumen. Stand Juni 2016

Bundesamt für Strahlenschutz. Ionisierende Strahlung. Leitfaden schafft Grundlage für Sicherung der Trinkwasserqualität.

Bundesumweltministerium. H-Rn-222-TWASS-01

P. Fritsch, W. Knaus, G. Merkl et al. Mutschmann/Stimmelmayr Taschenbuch der Wasserversorgung. Verlag Vieweg+Teubner. 15. Auflage. 2011

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2020

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