Übergewicht ist weit verbreitet

JEDER ZWEITE ERWACHSENE IST ÜBERGEWICHTIG

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2019 sind bereits 53% der erwachsenen Bevölkerung von Übergewicht (Präadipositas) betroffen. Rund 16% der Bundesbürger sind krankhaft übergewichtig (adipös).

Wie die Kiggs-Studie ergab, leiden auch bereits rund 15% der Kinder und Jugendlichen unter Übergewicht. Seit 1980 hat sich der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen um die Hälfte erhöht. Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind den Ergebnissen nach häufiger betroffen.

BMI-Wert bestimmt das Übergewicht

VERHÄLTNIS ZWISCHEN GEWICHT UND GRÖSSE ZÄHLT

Die Bezeichnung „Übergewicht“ beschreibt ein bestimmtes Verhältnis zwischen der Körpergröße und dem Körpergewicht. Der Body-Mass-Index (BMI) gibt  tabellarisch Auskunft darüber, ab welchem Verhältnis man als untergewichtig, normalgewichtig, übergewichtig oder adipös eingestuft wird. 

LESETIPP

Body Mass Index (BMI)

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Tabelle und Formel

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Der BMI gilt für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Tabellen zur Einstufung.

Nach Einstufung der BMI-Tabelle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist man übergewichtig, wenn ein BMI zwischen 25 -29,99 ermittelt wird. Adipositas beginnt ab einem BMI-Wert von 30.

Der persönliche BMI lässt sich anhand einer einfachen Formel leicht selbst ermitteln und in der Tabelle ablesen.

Ursachen für Übergewicht

ERNÄHRUNGSWEISE IST OFT ENTSCHEIDEND

Übergewicht kommt häufig in industrialisierten Ländern vor, in denen neben fett- und zuckerreicher Ernährung auch Bewegungsmangel zur Gewohnheit geworden ist.

Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Fastfood und Fertiggerichten, süßen Lebensmitteln, Alkohol und gesüßten Getränken trifft in Industrienationen häufig den Geschmack, ist finanziell günstig und macht schnell satt. Diese Ernährungsweise ist eine der Ursachen für Übergewicht.

Bei Übergewichtigen ist die Energiebilanz oft nicht ausgeglichen, denn es werden mehr Kalorien aufgenommen als verbrannt.

AUCH ERBLICH BEDINGTE FAKTOREN VERURSACHEN ÜBERGEWICHT

Es gibt Hinweise darauf, dass Übergewicht bei einigen Menschen genetisch bedingt ist, denn nach Ergebnissen der Kiggs-Studie haben Kinder von übergewichtigen Eltern das größte Risiko, selbst übergewichtig zu werden. Auch Kinder mit hohem Geburtsgewicht oder Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, scheinen besonders gefährdet.

Von entscheidendem Einfluss bei der Entstehung von Übergewicht, ist neben den persönlichen Lebensverhältnissen aber das persönliche Essverhalten. Weitere  Ursachen sind außerdem:

URSACHEN

  • Geringer Verzehr von Obst und Gemüse
  • Übermäßiger Konsum von Fertigprodukten, Fastfood & Co.
  • Übermäßiger Konsum von Süßigkeiten, zuckerhaltigen Getränken und Alkohol
  • Medikamentöse Nebenwirkungen z.B. bei Kortison, Psychopharmaka
  • Stoffwechselstörungen
  • Schlafmangel

VIEL FRUCHTZUCKER FÖRDERT ÜBERGEWICHT

Forscher haben ermittelt, dass Fructose (Fruchtzucker) viel schneller zu Körperfett umgewandelt wird als Glucose (Traubenzucker). In süßen Lebensmitteln und Getränken sind häufig hohe Mengen an Fructose enthalten, die leicht zu Übergewicht führen können, wenn sie regelmäßig bei gleichzeitigem Bewegungsmangel konsumiert werden.

Auch die Darmflora kann an der Entstehung von Übergewicht beteiligt sein

GEWICHTSZUNAHME HÄNGT VON DARMFLORA AB

Lübecker Forscher kamen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass die Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiom) dafür verantwortlich ist, wenn Menschen stärker zunehmen als andere, trotzdem sie das gleiche essen. Verantwortlich dafür sind spezielle Darmbakterien, die das Abnehmen fördern.

Bei Übergewichtigen findet sich im Gegensatz zu Normalgewichtigen eine geringere Bakterienvielfalt im Darm und es überwiegen bestimmte Bakterienstämme, die teilweise auch mit Entzündungsreaktionen im Körper in Verbindung stehen.

Normalgewichtige besitzen überwiegend Anteile von gesundheitsfördernden und verdauungsfördernden Bakterienstämmen wie Lactobazillen und Bifidobakterien, während Übergewichtige hauptsächlich Stämme der Bakterienarten Bacteroides und Firmicutes beherbergen. Insbesondere Bakterien vom Stamm Firmicutes sind fähig, auch unverdauliche Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate abzubauen, so dass sie dem Körper langfristig eine höhere Kalorienausbeute bescheren. Werden die Kalorien nicht benötigt, wandelt der Körper sie in Fett um und lagert sie ein.

Die träge Darmflora kann durch eine ballaststoffreiche Ernährung verändert werden. Besonders förderlich sind pflanzliche Lebensmittel wie Lauch, Chicoree und Knoblauch sowie fermentierte Lebensmittel (Probiotika) wie Sauerkraut oder Kefir, die Milchsäurebakterien enthalten. Auch wenig Salz und wenig gesättigte Fettsäuren sind gut für die Darmflora, weil sie die gesundheitsfördernden Milchsäurebakterien beeinträchtigen.

Übergewicht kann schwerwiegende Folgen haben

 RISIKO FÜR SCHWERE KRANKHEITEN UND ADIPOSITAS IST ERHÖHT

Nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder kann nach Erkenntnissen der Kiggs-Studie das Übergewicht bereits mit gesundheitlichen Folgen verbunden sein und darüber hinaus das Risiko für schwere Erkrankungen im Alter erhöhen.

Erste mögliche Folgen sind beispielsweise:

Spätere mögliche Folgen

Es ist derzeit wissenschaftlich nicht gesichert, dass Übergewichtige automatisch krank sind. Dennoch besteht bei Übergewichtigen ein erhöhtes Risiko, adipös zu werden, denn Übergewicht bildet eine Vorstufe von Adipositas. Adipositas ist eine behandlungsbedürftige Krankheit mit großen Gesundheitsrisiken.

Massnahmen zur Gewichtsreduzierung

VERSCHIEDENE MASSNAHMEN FÜR BETROFFENE WERDEN BEZUSCHUSST

Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge bezuschussen gesetzliche Krankenkassen verschiedene Gesundheitskurse, zu denen auch Ernährungskurse für Versicherte mit Übergewicht zählen. Ebenfalls unterstützen gesetzliche Krankenkassen unter anderem auch Kurse zur gesunden Bewegung und zum Stressmanagement.

Massnahmen zur Reduzierung von Übergewicht

  • Ernährungsumstellung und Einsatz geeigneter Diätformen
  • Gesunde Bewegung
  • Chirurgische Maßnahmen, z.B. Magenballon
  • Medikamentöse Maßnahmen
  • Psychologische Therapie, wenn Übergewicht durch Essstörungen bedingt ist
  • Förderung der Darmflora

Schlankmacher können kontraproduktiv sein

VOR VIELEN SCHLANKMACHERN WIRD GEWARNT

Der Einsatz von nicht verschreibungspflichtigen Mitteln wie z.B. Appetitzüglern, Appetithemmern oder Fatburnern ist gesundheitlich nicht immer unbedenklich und kann zu unerwünschten Wirkungen führen. Es besteht die Gefahr, dass sich der Körper schnell an den Sättigungseffekt des Produkts gewöhnt hat, aber nach dem Absetzen wesentlich größere Essensportionen verlangt, die das verlorene Gewicht rasch wieder ansteigen lassen.

Ebenso ist der Einsatz von Medizinprodukten, zu denen z.B. auch Fettbinder, bzw. Fettblocker zählen, nicht ganz ohne Risiko. Nicht nur die Aufnahme einiger lebenswichtiger Vitamine und essentieller Fettsäuren kann durch Fettblocker blockiert werden, auch die Wirksamkeit von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten wie etwa der „Pille“ wird verhindert.

Bei einigen Schlankmachern sind verschiedene Wechselwirkungen mit eingenommenen Medikamenten nicht ausgeschlossen, so dass sich vor dem Verzehr der Schlankheitsmittel die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Apotheker empfiehlt.

Oft täuschen in diesen Produkten zusätzliche Inhaltsstoffe mit abführender oder entwässernder Wirkung eine schnelle Gewichtsabnahme nur vor.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist eine gewichtsreduzierende Wirkung unter bestimmten Bedingungen aber nur für wenige Inhaltsstoffe, wie z.B. Glucomannan.

Initiative InForm

POLITISCHE MASSNAHMEN

Mit dem Ziel, Übergewicht und Adipositas in Deutschland zu bekämpfen, verabschiedete das Bundeskabinett 2008 einen nationalen Aktionsplan namens IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Die Laufzeit ist bis zum Jahr 2020 festgesetzt.

GESUNDHEITSSYSTEM IST DURCH ÜBERGEWICHT STARK BELASTET

Dem deutschen Gesundheitssystem entstehen allein durch die Folgen von Übergewicht und Adipositas (krankhaftes Übergewicht) jährlich Kosten in Höhe von etwa 10 Milliarden Euro.

Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de

Robert-Koch-Institut http://www.kiggs-studie.de/

WHO Obesity. preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894, Genf 2000

Neuer Zusammenhang zwischen Fructose-Konsum und Gewichtszunahme entdeckt. Auf dife.de (Deutsches Institut für Ernährungsforschung)

In Form Bürgerportal

Herold, G. Innere Medizin 2011

A. Said. Mit Arzneimitteln zum Wunschgewicht? zu Wirkungen und Risiken von zugelassenen und nicht zugelassenen Antiadiposita. Deutsche Apothekerzeitung Nr. 10/2016. Seite 48

Gene, die dick machen. Warum manche Menschen immer Hunger haben. 29. April 2008 Auf WDR.de

Dr. med. Thorsten Schröder. Die Bedeutung des Mikrobioms bei Übergewicht und Adipositas. Moderne Ernährung heute. Wissenschaftlicher Pressedienst 2/April 2019

EFSA Health Claims. Glucomannan

Bildquelle: © svetaorlova/ Fotolia.com (stock.adobe.com)
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016 | 04/2020

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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