Untergewicht betrifft oft jüngere Menschen

MANGELERNÄHRUNG UND UNTERGEWICHT TRETEN HÄUFIG ZUSAMMEN AUF

In Deutschland sind nach statistischen Angaben etwa 2 Millionen Menschen untergewichtig. Untersuchungen zufolge betrifft Untergewicht deutlich mehr Frauen als Männer, besonders im Alter zwischen 14 und 29 Jahren.

Oft tritt gleichzeitig mit dem Untergewicht eine Mangelernährung auf. In Europa besteht nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 33 Millionen Menschen das Risiko einer Mangelernährung. Als besonders gefährdet gelten alleinstehende Ältere und Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

In Industrienationen bewegt sich der Anteil der Untergewichtigen im unteren einstelligen Prozentbereich und ist vergleichsweise gering, während in den Entwicklungsländern fast die Hälfte der Erwachsenen einen zu geringen Body-Maß-Index (BMI) aufweist.

Die WHO stuft die Mangelernährung bei unterernährten Menschen weltweit als größte Bedrohung für die Volksgesundheit ein. 6 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Hunger.

Beim Untergewicht besteht ein Missverhältnis zwischen Größe und Gewicht

RELATION VON KÖRPERGEWICHT ZU GRÖSSE ERGIBT DIE DIAGNOSE

Als untergewichtig gilt man, wenn man im Verhältnis zur Körpergröße ein geringes Körpergewicht aufweist. Darüber gibt der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) Auskunft. Untergewicht wird nach der Tabelle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in unterschiedliche Gewichtsklassen eingestuft. Der aktuelle BMI lässt sich leicht selbst ermitteln.

Gewichtsklassen BMI
Starkes Untergewicht unter 16
Mäßiges Untergewicht 16-17
Verdacht auf Magersucht unter 17,5
Untergewicht unter 18,5
Normalgewicht 18,5-24,9

MANGELERNÄHRUNG UND UNTERERNÄHRUNG

Untergewicht entsteht in vielen Fällen aus einer Unterernährung in Verbindung mit einer Mangelernährung. Unterernährung tritt auf, wenn  der Energie- und Nährstoffbedarf des Körpers nicht gedeckt werden kann oder Nährstoffe z.B. bei Durchfallerkrankungen, starkem Schwitzen oder Nierenfunktionsstörungen schneller ausgeschieden werden, als sie ersetzt werden können. Auch Krankheiten, übertriebene Diäten oder Alkoholmissbrauch können unter anderem zu Untergewicht führen. Bei der Mangelernährung besteht nach Definition der WHO ein zelluläres Ungleichgewicht zwischen Nährstoffzufuhr und Energiezufuhr. Der körperliche Bedarf wird nicht ausreichend gedeckt, so dass Wachstum, Leistungsfähigkeit und spezifische Funktionen gewährleistet sind.

UNTERGEWICHT BEDEUTET NICHT GLEICHZEITIG UNTERERNÄHRUNG ODER MANGELERNÄHRUNG

Mit der Ermittlung des BMI wird nicht gleichzeitig ein mangelhafter Ernährungsstatus verknüpft – dieser wird im Bedarfsfall für jeden Betroffenen, unabhängig vom BMI, individuell festgestellt. Untergewichtige müssen demnach nicht automatisch fehlernährt sein, gerade dann nicht, wenn der individuelle Stoffwechsel bei ausreichender Nährstoff- und Nahrungszufuhr nicht auf eine Gewichtszunahme ausgerichtet ist. Menschen mit einem derartigen Stoffwechsel können nicht zunehmen und bleiben auf Lebenszeit untergewichtig.

Ärztlicher Rat ist empfehlenswert, wenn körperliche Anzeichen einen Hinweis darauf geben, das das Untergewicht mit einer Unterversorgung an Nährstoffen verbunden sein könnte.

Umgekehrt ist nicht immer eine Unterversorgung mit Nährstoffen auch an ein Untergewicht gebunden – so können auch Normalgewichtige und Übergewichtige fehlernährt sein, weil sie mit essentiellen Nährstoffen unterversorgt sind. Das ist dann der Fall, wenn sie zwar genügend Kohlenhydrate zuführen, aber ihre tägliche Ernährung etwa nicht ausreichende Mengen an essentiellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementensekundären Pflanzenstoffen und/oder essentiellen Fettsäuren u.s.w. liefert.

Ursachen

UNTERGEWICHT BETRIFFT NICHT NUR MENSCHEN MIT ESSSTÖRUNGEN

Nicht nur Menschen, die unter Essstörungen wie Ess-Brech-Sucht oder Magersucht leiden, sind häufig von Untergewicht betroffen. Untergewicht kann sich auch durch starken Gewichtsverlust infolge einer Erkrankung wie Krebs, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Tuberkulose einstellen.

Daneben kann Untergewicht auch genetisch durch den Stoffwechsel bedingt sein oder durch altersbedingte Auszehrung. Es kann aber auch durch Appetitlosigkeit, psychische, geistige oder körperliche Einschränkungen verursacht werden. Untergewicht kann außerdem die Folge fehlender oder unzureichender Nahrungsverwertung sein, so dass es trotz ausreichender Nährstoffzufuhr zu Untergewicht kommen kann.

Ebenso kann die eingeschränkte Möglichkeit der Nahrungsaufnahme ursächlich sein. Beispielsweise führen Schluckbeschwerden oder chronische Entzündungen im Mund- und Rachenbereich dazu, dass Nahrung nur begrenzt aufgenommen werden kann.

Untergewicht kann weitreichende Folgen haben

BEEINTRÄCHTIGUNGEN IST VON DER ART DES MANGELS ABHÄNGIG

Wenn das Untergewicht mit Fehlernährung verbunden ist, können dem Körper neben energieliefernden Kohlenhydraten und Proteinen verschiedene essentielle Nährstoffe wie etwa Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder essentielle Fettsäuren fehlen. In Abhängigkeit von dem Mangel an Nährstoffen, mit denen das Untergewicht möglicherweise verbunden ist, treten verschiedene körperliche und seelische Beeinträchtigungen. Zu den häufigsten Beeinträchtigungen zählen:

  • Erhöhte Anfälligkeit für Infekte und Entzündungen
  • Hautveränderungen
  • Blasse Zunge
  • Nachtblindheit
  • Zuckungen, Lähmungen, Krämpfe
  • Verwirrung, Desorientiertheit
  • Gangstörungen
  • Muskelschwäche
  • Müdigkeit, Apathie
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Reduzierte Herzleistung
  • Verminderte Knochendichte

In Europa wird Untergewicht nach Angaben des European Food Information Council (Eufic) mit erhöhter Sterblichkeit, längerer Verweildauer im Krankenhaus und höheren Kosten für das Gesundheitswesen in Verbindung gebracht.

Maßnahmen und Therapie bei Untergewicht

URSACHE DER FEHLERNÄHRUNG ERMITTELN

Um dem Untergewicht erfolgreich begegnen zu können, werden neben der differenzierten medizinischen Diagnostik auch die persönliche Situation und die Ernährungsgewohnheiten in die Therapie mit einbezogen.

Häufig dient in der ernährungsmedizinischen Praxis ein einwöchiges ausführliches Ernährungsprotokoll< dazu, den Ernährungsstatus festzustellen. Der Betroffene hält darin seine gesamte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme inklusive der Portionsgrößen fest. Im Anschluss erfolgt alters- und geschlechtsspezifisch der Abgleich mit den aktuellen, nach D-A-CH empfohlenen Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr. Die ermittelten Ergebnisse werden individuell für den Betroffenen aufbereitet und angepasst und liefern oft die orientierende Grundlage für die nachfolgende Ernährungsberatung, die darauf ausgerichtet wird, die Mangelzustände auszugleichen.

Bei Essstörungen erfolgt in der Regel parallel eine psychologische Behandlung. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hält zum Thema Essstörungen auf der Website neben ausführlichen Informationen für Betroffene, Eltern, Freunde und Lehrer auch ein Beratungstelefon bereit.

Um Patienten mit einer Gefährdung für Mangelernährung zu erkennen, werden bisweilen Screening Tools wie MUST bei Erwachsenen oder STAMP bei Kindern eingesetzt.

THERAPIE NACH URSACHE DER FEHLERNÄHRUNG

Therapie bei Unterernährung

Die Unterernährung ist mit verringerten Energiespeichern verbunden. Das erste Ziel für die Erfassung der Unterernährung ist es, durch den BMI und die Hautfaltenmessung die Fettmasse zu erfassen, die bei anhaltendem Mangel an Nahrungsenergie reduziert ist. Ein Risiko für Unterernährung besteht bei Kindern und Jugendlichen, bei denen ein BMI von unter 10 Perzentile gemessen wird. Erwachsene gelten bei einem BMI von unter 18,5 als gefährdet. Zur Klärung der Ursachen wird in der Regel ein Ernährungsprotokoll, die Diagnose der Malassimilation und die Messung des Energieverbrauchs (REE) eingesetzt. Behandelt wird das Untergewicht durch Umstellung der Ernährung und Behandlung der Malassimilation. Bei der Malassimilation kann der Körper die zugeführten Nährstoffe nicht verwerten.

Therapie bei Mangelernährung

Die Mangelernährung liegt entweder ein deutlicher Gewichtsverlust mit Zeichen der Krankheitsaktivität vor oder ein Eiweißmangel oder ein spezifischer Nährstoffmangel.

 a) krankheitsassoziierter Gewichtsverlust: Hiervon geht man aus, wenn ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als 10 % in den vergangenen 6 Monaten vorliegt oder wenn das übliche Körpergewicht weniger als 90 % beträgt. Von Bedeutung sind neben dem Ernährungszustand auch Zeichen der Krankheitsaktivität wie Fieber, Nachtschweiß, Schmerzen oder Leistungsminderung. Zur Klärung der Ursachen wird auch hier in der Regel ein Ernährungsprotokoll, die Diagnose der Malassimilation und die Messung des Energieverbrauchs (REE) eingesetzt. Die Behandlung erfolgt neben der Behandlung der Grunderkrankung durch eine spezielle Ernährungsumstellung.

b) Eiweißmangel: Verschiedene Symptome wie Muskelschwäche, Ödeme oder Wundheilungsstörungen können auf einen Eiweißmangel hindeuten. Wichtige Hinweise geben neben aufwändigen technischen Verfahren zur Muskelmessung auch das Ernährungsprotokoll sowie der Serumalbuminspiegel. Die Behandlung erfolgt durch gezielte Ernährungsumstellung.

c) Spezifischer Nährstoffmangel: Beim spezifischen Nährstoffmangel können Defizite an essentiellen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Wasser oder essentiellen Fettsäuren auftreten. Anamnese, Laboruntersuchungen und klinische Untersuchungen von Gewebeveränderungen der Haut, Augen, Mund und der neurologische Status werden zur Diagnose eines spezifischen Nährstoffmangels eingesetzt. Zur Klärung der Ursachen dienen in der Regel ein Ernährungsprotokoll, Funktionstests und die Diagnose der Malassimilation. Die Behandlung erfolgt durch gezielten Ausgleich der fehlenden Nährstoffe.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016 | aktualisiert 07.05.2022

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt. Körpermasse nach Altersgruppen und Geschlecht. Ergebnisse des Mikrozensus 2013
  • WHO Obesity preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894, Genf 2000
  • Dr. med. M. Pirlich et al. DGEM-Leitlinie Enterale Ernährung. Ernährungsstatus. Aktuel Ernaehr Med 2003; 28, Supplement 1: S10-25. Verlag Georg Thieme. Stuttgart, New York
  • Ledochowski, Maxim. Klinische Ernährungsmedizin. 2009. Verlag Springer. Wien, New York
  • EUFIC

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