Definition Verdauung

NAHRUNG FÜR KÖRPERZELLEN VERFÜGBAR MACHEN

Die Verdauung (Digestion) bezeichnet den Vorgang der Zerkleinerung und anschließenden Aufspaltung der zugeführten Nahrung im Verdauungstrakt. Mit Hilfe von Verdauungsenzymen wird die Nahrung im ersten Schritt der Verdauung chemisch aufgespalten (Hydrolyse). Die gewonnenen Nährstoffe werden aus dem Darm an das Blut weitergeleitet, von wo aus sie schließlich zu den Körperzellen transportiert werden. Nicht verwertbare Substanzen kommen zur Ausscheidung. An der Verdauung sind verschiedene Organe des Verdauungstrakts beteiligt. Neben der Speiseröhre beteiligen sich Verdauungsorgane wie Magen, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm und Dickdarm am Verdauungsprozess.

Verdauung und Verdauungsorgane

VERDAUUNGSPROZESS BEGINNT BEREITS IM MUND

Die Mahlzeit wird im ersten Schritt der Verdauung bereits im Kauvorgang mit den Zähnen mechanisch zerkleinert und durch das spezielle Speichelenzym Pytalin im Mund vorverdaut. Dieses Enzym kommt im wässrigen Speichel vor und ist auch unter dem Begriff Amylase bekannt. Pytalin spaltet am Beginn der Verdauung Stärke in verschiedene Zucker auf. Gründliches Kauen führt zu vermehrter Speichelbildung und unterstützt so den Verdauungsprozess.

TRANSPORT DURCH DIE SPEISERÖHRE

Aus dem Mund gelangt der eingespeichelte Nahrungsbrei durch das Schlucken in die Speiseröhre (Ösophagus), einen muskulären Schlauch, der hinter der Luftröhre liegt. Wellenförmige Muskelbewegungen (Peristaltik) der Speiseröhre pressen die Nahrung bereits nach wenigen Sekunden in den Magen.

Grafik Verdauungsprozess
 © Avanne Troar/Fotolia.com

Im Normalfall kann der Mageninhalt nicht in die Speiseröhre zurückfließen, weil der Ruhedruck des unteren Schließmuskels der Speiseröhre (Ösophagussphinkter) dafür verantwortlich ist, dass der Mageneingang verschlossen bleibt. Nur während des Schluckens und um verschluckte Luft auszustoßen, erschlafft der Schließmuskel beim gesunden Menschen vorübergehend.

Eine Funktionsstörung der Speiseröhre kann für einen gesteigerten Rückfluss von Magensäften in die Speiseröhre verantwortlich sein, der bei längerem Kontakt die Schleimhäute der Speiseröhre angreifen und schädigen kann und das typische Begleitsymptom Sodbrennen auslöst.

HERSTELLUNG VON NAHRUNGSBREI IM MAGEN

Der Speisebrei gelangt während der Verdauung durch den Magenmund (Cardia) und wird zunächst im Magen gesammelt. Der Magen hat ein Fassungsvermögen von etwa eineinhalb bis zwei Litern und ist durch die Magenschleimhaut ausgekleidet. Die Magenschleimhaut enthält zahlreiche Drüsenzellen mit unterschiedlichen Funktionen, die man in drei Zelltypen unterteilt. Während zwei Typen von Drüsenzellen an der Salzsäureproduktion beteiligt sind, produziert der dritte Zelltyp zähen Schleim, der die Magenschleimhaut vor der aggressiven Salzsäure schützt.
Neben Salzsäure enthält der Magensaft weitere Substanzen, die für den Verdauungsvorgang von Bedeutung sind. Nach einer halben Stunde ist der Mageninhalt durchsäuert und dann benötigt er etwa zwei bis fünf Stunden, um einen Nahrungsbrei daraus herzustellen, der dann in kleinen Portionen an den ungefähr drei Meter langen Dünndarm weitergegeben wird.

Verdauung im Dünndarm

DÜNNDARM SETZT NÄHRSTOFFE FÜR DEN KÖRPER FREI

Der Dünndarm besteht aus verschiedenen Stationen, die im Zwölffingerdarm beginnen (Duodenum) und im Hüftdarm (Ileum) enden. Im Zwölffingerdarm wird die Magensäure neutralisiert und mit Gallenflüssigkeit und Bauchspeicheldrüsensekret versetzt. Innerhalb von drei bis sechs Stunden schließen Verdauungsenzyme im Dünndarm Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße aus dem Nahrungsbrei auf und die Zellen der Dünndarmwand (Dünndarmzotten) übernehmen die freigesetzten Nährstoffbausteine, um sie in den Blutkreislauf und die Lymphe überzuleiten.

Funktion der Bauchspeicheldrüse

BAUCHSPEICHELDRÜSE BILDET VERDAUUNGSENZYME UND HORMONE

Die Bauchspeicheldrüse übernimmt bei der Verdauung und Stoffwechsel zwei wichtige Funktionen. Zum einen bildet sie täglich etwa 2 bis 4 Liter Pankreassekret mit Verdauungsenzymen, die Bestandteile aus der aufgenommenen Nahrung aufspalten (exokrine Funktion) und zum anderen bildet sie verschiedene Hormone wie das wichtige Insulin, das den Blutzuckerspiegel senkt (endokrine Funktion). Daneben bildet sie das Hormon Glukagon, das für einen Anstieg des Blutzuckers verantwortlich ist. Glukagon stellt einen Gegenspieler des Insulins dar.

Funktion der Leber

DIE LEBER ALS WICHTIGER TEIL DES VERDAUUNGSAPPARATES

Die Leber (Hepar) gilt mit einem Gewicht zwischen 1500 – 2000 Gramm als größtes inneres Organ des menschlichen Körpers. Unterhalb des Zwerchfells liegend, ist sie fast vollständig von den unteren Rippen umgeben und nimmt nahezu den gesamten oberen rechten Raum der Bauchhöhle ein. Die Leber zählt zu den wichtigsten Organen, etwa 2000 Liter Blut fließen täglich durch das lebenswichtige Organ. Die Leber steuert zentrale Stoffwechselvorgänge durch Milliarden von hochflexiblen Leberzellen (Hepatozyten) – zu seinen Aufgaben zählen:

  • Entfernen von Giftstoffen aus dem Blut
  • Produktion von Galle (600-1000 ml/Tag) für den Abbau von Fettsäuren bei der Verdauung
  • Beteiligung am Stoffwechsel von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen
  • Produktion von Blutweiweißen, z.B. Gerinnungsfaktoren
  • Dient als Speicherorgan für GlukoseVitamine und Spurenelemente wie Zink, Eisen, Kupfer, Mangan

Funktion von Gallenblase und Gallengängen

GALLE IST AN MEHREREN VERDAUUNGSVORGÄNGEN BETEILIGT

Die Gallenblase übernimmt mehrere Funktionen im Verdauungsprozess. Insofern ist sie hauptsächlich an der Verdauung und Aufnahme von Fetten, dem Ausscheiden nicht nierengängiger Stoffwechselprodukte sowie der chemischen Umwandlung und Ausscheidung von Fremdstoffen beteiligt.

Die Gallenblase und die Gallengänge bilden ein komplexes verzweigtes Hohlorgansystem. Das System dient dazu, die Gallenflüssigkeit, die in der Leber produziert wird, über verschiedene Gallengänge in den Zwölffingerdarm (Dünndarm) zu transportieren. Die Gallenblase sammelt, speichert und konzentriert die Gallenflüssigkeit durch Eindickung auf etwa 40% des Ausgangsvolumens. Bei Bedarf zieht sich die Gallenblase zusammen und schüttet so die zur Fettverdauung notwendige Gallenflüssigkeit in den Zwölffingerdarm aus, wo sie dem Speisebrei beigemengt wird, der vom Magen in den Darm gelangt.

Die in den Leberzellen produzierte Gallenflüssigkeit dient der Verdauung von Fetten und Ölen. Die wässrige Lösung enthält Gallensäuren, Phospholipide, Cholesterin, Eiweiße, Gallenfarbstoffe (u.a. Bilirubin) und Elektrolyte und dient als Emulgator, durch den sich Fette und Öle mit Wasser verbinden können. Sie sind fähig, im Dünndarm langkettige Fettsäuren, Monoglyceride, Cholesterin und fettlösliche Vitamine aufzunehmen. Im Krummdarm werden die Gallensäuren großteilig zurück gewonnen und gelangen über die Pfortader zurück in die Leber. Etwa 20% der Gallensäuren gelangen in den mittleren Darmabschnitt (Kolon), wo sie zunächst von Bakterien verstoffwechselt und anschließend wieder zurück gewonnen werden.

Verdauung im Dickdarm

ABBAU DER RESTLICHEN NAHRUNGSBESTANDTEILE

Danach wird der verbliebene Nahrungsbrei in den circa zwei Meter langen Dickdarm übergeben, wo ihm Wasser entzogen wird und Bakterien unter Bildung von Gasen und verschiedenen Säuren wie Milchsäure, Buttersäure oder Essigsäure die Nahrungsbestandteile abbauen. Dieser Prozess benötigt im Durchschnitt zwölf bis vierundzwanzig Stunden. Alle unverdaulichen Stoffe, die weder durch Bakterien noch durch Verdauungsenzyme abgebaut werden konnten, gelangen in den Mastdarm und kommen nach weiterem Wasserentzug über den Anus als Stuhl zur Ausscheidung.

Erkrankungen des Verdauungsapparates

ERKRANKUNGEN VON MUNDHÖHLE UND SPEISERÖHRE

Auftretende Erkrankungen von Mundhöhle und Speiseröhre sind u.a.

ERKRANKUNGEN VON MAGEN UND ZWÖLFFINGERDARM

Zu den Erkrankungen von Magen und Zwölffingerdarm zählen u.a:

ERKRANKUNGEN DES DARMTRAKTS

ERKRANKUNGEN DER BAUCHSPEICHELDRÜSE

Zu den Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse zählt man u.a.:

ERKRANKUNGEN DER LEBER

Erkrankungen der Leber erfolgen in vielen Fällen durch Faktoren wie z.B. AlkoholÜbergewicht oder verschiedene Gifte oder Viren. Erkrankungen können der Leber sind u.a.

ERKRANKUNGEN DER GALLE

Erkrankungen der Gallenblase und der Gallenwege werden fast regelmäßig durch Gallensteine ausgelöst.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Uni Greifswald: Medizinische Terminologie – Verdauungstrakt und Herz-Kreislaufsystem (PDF)

Hick, C.: Intensivkurs Physiologie. 5.Auflage 2006. Verlag Urban & Fischer.

Biesalski H.K., Fürst P., Kasper H. et al.: Ernährungsmedizin. Verlag Thieme. New York 1995

DGE-Infothek: Essen und Trinken bei chronischer Verstopfung. 9.vollständig überarbeitete Auflage 2014.

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Autor: Katja Schulte Redaktion Infothek : Gesundheit.de
Datum: 05/2016

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