Einen Angehörigen zu Hause zu pflegen ist für die meisten eine große Herausforderung. Doch eine Betreuung rund um die Uhr kann auch die beste Pflegekraft nicht alleine bieten. Damit pflegende Angehörige Termine wahrnehmen können oder wenn die pflegenden Angehörigen krank werden und Erholung brauchen, gibt es die Möglichkeit, die sogenannte Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Ab dem 01.Juli 2025 ändert sich für Betroffene finanziell etwas, denn ab dem Zeitpunkt gibt es einen gemeinsamen Jahresbetrag für Leistungsbeträge der Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege. Damit steht nach Wahl, flexiblel  für beide Leistungsarten, Anspruchsberechtigten pro Kalenderjahr ein Gesamtleistungsbetrag zu. Was leistet die Verhinderungspflege und für wen?

Was genau bedeutet Verhinderungspflege?

Wenn eine pflegebedürftige Person zu Hause von den Angehörigen gepflegt wird, ist es je nach Pflegegrad wichtig, einmal oder mehrmals täglich den Pflegebedürftigen zu versorgen. Einen Angehörigen ambulant zu pflegen, ist mit großen Anforderungen an die Pflegeperson verbunden. Diese Leistung kann kein Mensch alleine das ganze Jahr über jeden Tag erbringen. Wenn die Pflegeperson krank wird, Erholung braucht oder andere Gründe die Pflegearbeit verhindern, bezahlt die Pflegeversicherung dann die erforderliche Ersatzpflege. Diese Ersatzpflege nennt sich auch Verhinderungspflege.

Zweck der Verhinderungspflege ist die Entlastung der pflegenden Angehörigen für eine gewisse Zeit. Gleichzeitig wird damit die gute Versorgung des Pflegebedürftigen sichergestellt. Ein Antrag auf Verhinderungspflege kann gestellt werden, wenn der pflegende Angehörige für einen vorübergehenden Zeitraum ausfällt – Tipps zur Antragsstellung liefert beispielsweise ein Bericht der Deutschen Seniorenbetreuung. So kann der Pflegebedürftige weiterhin in seinem gewohnten Umfeld bleiben und ist durch eine oder mehrere Personen gut versorgt.

Warum ist es wichtig, über Verhinderungspflege Bescheid zu wissen?

Die Leistung, die pflegende Angehörige erbringen, entlastet die Pflegesituation in Deutschland ganz wesentlich. Sie machen es möglich, dass Pflegebedürftige in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Dabei sind die physischen und psychischen Belastungen sehr hoch. Da die pflegenden Angehörigen nicht 24 Stunden im Dauereinsatz sein können, gibt es die Verhinderungspflege. Damit können die pflegenden Angehörigen private Termine wahrnehmen, sich im Krankenhaus behandeln lassen oder auch einen Urlaub und Erholung genießen, ohne sich über ihre Angehörigen sorgen zu müssen. Die Pflegeversicherung zahlt für diese Zeit dann einen Pflegedienst.

Wie hilft die Verhinderungspflege Pflegenden?

Damit Pflegende Familie, Beruf, Pflege und Privatleben in Einklang bringen können, brauchen sie nicht selten Unterstützung. Private Pflegepersonen brauchen aufgrund der hohen Belastung hin und wieder eine Auszeit, in der sich jemand anders um den Pflegebedürftigen kümmert, um wieder neue Kraft zu schöpfen. Wie diese Auszeit auszusehen hat, ist nicht vorgeschrieben, wichtige Voraussetzungen sind in einem Bericht der Verbraucherzentrale übersichtlich zusammengefasst. Wenn der Pflegende tage- oder stundenweise Ersatz braucht, übernimmt die Pflegekasse die Kosten. Die Verhinderungspflege wird dann von einem Gesamtbudget abgerechnet. Dabei spielt es keine Rolle, wie die Vertretung erfolgt oder aus welchem Grund sie notwendig ist.

Was bietet die Verhinderungspflege Senioren an Erholung und Entlastung?

Die Verhinderungspflege hat für die Senioren ebenfalls Vorteile. Denn auch wenn die reguläre Pflegeperson nicht da ist, ist der Pflegebedürftige gut versorgt. Eine Ersatzpflegeperson übernimmt die Pflege. Die Kosten dafür übernimmt die Pflegeversicherung. Pflegende Angehörige brauchen hin und wieder Urlaub. Doch das gestaltet sich meist sehr schwierig, weil sich während der Abwesenheit jemand anderes um die Pflege kümmern muss. Angehörigen fällt es auch schwer, die pflegebedürftige Person alleine zu lassen.

Eine gute Idee ist dann ein gemeinsamer Urlaub. Allerdings muss dann das Reiseziel entsprechend ausgewählt werden und es muss gewährleistet sein, dass sich jemand um die Pflege kümmert, sonst ist es kein Urlaub. Bei einem Urlaub im Inland übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für die Pflegevertretung. Wer Anspruch auf Verhinderungspflege hat, kann dieses Geld auch nutzen, um sich selbst zu erholen, gemeinsam mit dem Partner oder den Kindern, die die Pflegeleistung normalerweise erbringen.

Welche verschiedenen Arten von Unterstützung gibt es bei der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen durch die Pflege bei Verhinderung?

Wenn die Hauptpflegeperson stunden-, tage- oder wochenweise eine Vertretung braucht, übernimmt die Pflegeversicherung mit der Verhinderungspflege die Kosten.

Zahlreiche Pflegeleistungen (Link zur Website des Bundesgesundheitsministeriums: Leistungen zur Pflegeversicherung im Überblick) werden von der Pflegeversicherung übernommen. Die Höhe der Leistungen richtet sich nach dem Pflegegrad. Die Ersatzpflege übernimmt Aufgaben der Grundpflege und unter Umständen auch medizinische Behandlungspflege. Dazu gehören Körperpflege, Hilfe beim Auf-die-Toilette-Gehen, Einkäufe, Unterstützung bei der Zubereitung der Mahlzeiten, Hilfe im Haushalt und die Verabreichung von Medikamenten.

Darüber hinaus haben Pflegebedürftige auch Anspruch auf digitale Pflegeanwendungen, die den Alltag in der Pflege verbessern. Dabei sind verschiedene Pflegebereiche förderfähig. Digitale Anwendungen für Smartphones, Tablets oder Desktop-PCs können dabei helfen, den Alltag besser zu bewältigen. Dabei gibt es Apps oder öffentliche Vertriebsplattformen, die in Form von digitalen Programmen verschiedene Bereiche unterstützen.

Es gibt digitale Pflegeanwendungen, die Übungen und Trainings beinhalten. Damit können Demenzkranke mit Gedächtnisspielen spielerisch ihre Gedächtnisleistungen verbessern. Andere Apps bieten Trainings für mehr körperliche Fitness, um das Sturzrisiko zu reduzieren. Ein anderes Anwendungsfeld von Apps ist die Förderung von Betreuung und Kommunikation mithilfe digitaler und technischer Anwendungen oder Dienste. Sie erleichtern und verbessern
die Betreuung.

Weitere Pflegeanwendungen helfen dabei, die pünktliche Einnahme der Medikamente sicherzustellen. Bestätigt der Pflegebedürftige die Einnahme seiner Medikamente nicht, benachrichtigt die App einen Angehörigen oder den Pflegedienst.

Autor: Lukas Richter
Datum: 07.07.2023 | Aktuaisierung 11.08.2025

Bildquellen:

  • Abbildung 1: Bild von Gundula Vogel auf Pixabay

Quellen und weiterführende Informationen:

  • Pflegebedürftig – was nun? Bundesgesundheitsministerium. 22.06.2023
  • Verhinderungspflege: zeitlich begrenzte Auszeit von der Pflege. Verbraucherzentrale. 20.06.2023
  • Verhinderungspflege beantragen. Deutsche Seniorenbetreuung
  • Verhinderungspflege (Urlaubs- und Krankheitsvertretung) Bundesgesundheitsministerium