Wandern ist häufig unterschätzte Sportart

NICHT NUR AUF SCHUSTERS RAPPEN UNTERWEGS

Das Wandern kommt nicht aus der Mode. Seit im Jahr 1883 in Fulda der Deutsche Wanderverband gegründet wurde, betreuen heute die angeschlossenen Gebirgs- und Wandervereine ehrenamtlich insgesamt ungefähr 200.000 km Wanderwege. Mehr als 600.000 Mitglieder organisieren sich in den unterschiedlichen Vereinen und übernehmen nicht nur Aufgaben im Naturschutz, sondern engagieren sich daneben außerdem in der Jugend-, Familien-, und Kulturarbeit.

Wandern und Gesundheit

WANDERN EIGNET SICH AUCH FÜR MENSCHEN MIT STARKEM ÜBERGEWICHT

Die Grundlagenuntersuchung zum Thema Freizeit und Wandern, die das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht hatte, lassen keinen Zweifel daran, dass Wandern zu den gesündesten Sportarten zählt. Das Wandern ist nicht nur gut für die Psyche, weil es Stresshormone abbaut und vermehrt das Wohlfühlhormon Serotonin sowie den Glücksbotenstoff Dopamin ausschüttet, das Wandern stärkt auch das Herz- Kreislaufsystem, den Bewegungsapparat, das Immunsystem und die Atemwege. Gleichzeitig senkt das regelmäßige Wandern das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

BEREITS KÜRZESTE DISTANZEN WIRKEN SICH POSITIV AUF DIE GESUNDHEIT AUS

Das ergab eine beauftragte Studie des Deutschen Wanderverbandes e.V. zum Konzept des Gesundheitswanderns, das speziell mit Physiotherapeuten der Osnabrücker Fachhochschule entwickelt wurde. Die Studie, die sich über einen Zeitraum von sieben Wochen erstreckte, wurde zusammen mit der Universität Halle-Wittenberg durchgeführt. Zweimal wöchentlich wanderten untrainierte Berufstätige im Durchschnittsalter von etwa 53 Jahren 90 Minuten lang und legten dabei je nach Gelände zwischen 3,7 und 5,6 Kilometer zurück. Die Wanderungen wurden jeweils zwei mal von physiotherapeutischen Lockerungs- und Balanceübungen unterbrochen und beinhalteten außerdem drei Minuten schnelleres Gehen.

Die Forscher berichteten nach der Auswertung, dass die aktive Gruppe der Gesundheitswanderer nicht durchschnittlich 1,3 Kilogramm Körpergewicht verloren hatte, sondern auch bessere Blutdruckwerte und eine gesunkene Herzfrequenz aufwies. Daneben wurde auch eine verbesserte Ausdauerfähigkeit und Koordinationsfähigkeit der Gesundheitswanderer festgestellt.

Wanderformen

ERSTAUNLICH VIELSEITIG

Mittlerweile ist das Angebot für Wanderfreunde so vielseitig geworden, dass durchaus andere Freuden und Interessen mit einer Wanderung verbunden werden können. Viele Tourismusvereine organisieren den Gepäcktransfer zur Entlastung der Wanderer. Wanderer profitieren nicht nur gesundheitlich vom Wandersport, sie erleben und entdecken auch vieles, das Anderen verborgen bleibt.

Volkswandern

Volkssportverbände organisieren unterschiedlich lange Volkswanderungen mit Verpflegungs- und Kontrollposten, die ein Teilnehmer alleine oder in einer Gruppe durchwandern kann. Die Teilnehmer werden oft symbolisch ausgezeichnet.

Sportwandern

Sportwanderer organisieren sich in unterschiedlich langen Märschen, die sich über längere Zeiträume und große Distanzen erstrecken.

Bergwandern

Bergwanderer legen häufig große Höhen zurück und planen auch weitere Srecken von Schutzhütte zu Schutzhütte.

Trekking

Wanderer legen beim Trekking große Entfernungen zurück, meistens abseits der ausgeschilderten Routen. Mitunter werden auch mehrere Tage oder Wochen lang bestimmte Regionen oder Landschaften durchwandert, manchmal auch abseits der Zivilisation.

Bildungswandern

Bildungswanderer  nutzen die vielfältigen Lehrpfade, die ohne einen Wanderführer auf Informationstafeln Wissen zu ausgewählen Themen vermitteln. Zum Bildungswandern zählen auch geführte Touren durch Städte oder bestimmte Landschaften.

Meditatives Wandern

Auf der Suche nach Gott und/oder dem Lebenssinn gehen Menschen beim Meditativen Wandern mehrere Tage oder Wochen auf Pilgerwegen oder Wallfahrten zu bestimmten Zielen oder in einsame Gebiete.

Winterwandern

Winterwanderer nutzen dabei Wege in den Gebirgstälern und speziell präparierte Wege, die oft in der Nähe von Skigebieten ausgeschildert sind.

Geocoaching

Geocoaching lässt sich als elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd mit einer oder mehreren Zwischenstationen bezeichnen und erfreut sich bei jungen Leuten besonderer Beliebtheit. Oft wird Geocoaching von Wanderverbänden unterstützt.

Nacktwandern

Für Nacktwanderer gibt es in Deutschland bereits offiziell ausgeschilderte Nacktwanderwege.

Pilgern und Wallfahrten

Zu den Wanderformen zählen auch das Pilgern und die Wallfahrten. Die Pilgerwege werden als Fernwanderwege genutzt.

Speed Hiking

Speed Hiking dient Sportlern als Aufbautraining und wird auch als eigenständiger Wettkampfsport betrieben. Er richtet sich eher an trainierte Personen. Speed Hiker verwenden Stöcke und bewältigen Distanzen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade in sehr schnellem Tempo.

Barfusswandern

Viele Menschen schätzen die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Barfusslaufens und unternehmen regelmäßig Barfusswanderungen in gepflegten deutschen Barfussparkanlagen.

WANDERER VERBRENNEN FAST SO VIELE KALORIEN WIE JOGGER

Ein Wanderer mit siebzig Kilogramm Körpergewicht verbrennt beim Wandern etwa 300-350 Kilokalorien in der Stunde, bei steilem Gelände kann der Verbrauch auf 550 Kilokalorien ansteigen. Übergewichtige verbrennen beim Wandern mehr Kalorien als Normalgewichtige, da sie mehr Eigengewicht bewegen müssen.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Deutscher Wanderverband e.V.: http://www.wanderverband.de/conpresso/_data/PM_10_Ergebnisse_Studie_Gesundheitswandern.pdf

Bundeministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi): Grundlagen untersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern. Berlin 2010

U. Grober: Vom Wandern – Neue Wege zu einer alten Kunst. 2011. Verlag Rohwolt.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016

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