Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung lassen sich kaum in Worte fassen. Selbst das Bundesministerium für Gesundheit behilft sich mit recht schwammigen Formulierungen, wenn es darum geht, festzulegen, was einem Kranken oder einer Kranken per Gesetz zusteht. Dort heißt es, jeder gesetzlich Versicherte habe Anspruch auf eine „ausreichende, bedarfsgerechte, dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechende medizinische Krankenbehandlung“. In der gängigen Praxis – also im Falle einer Krankheit – wird meist erst dann der Leistungskatalog der persönlichen Krankenversicherung studiert, wenn eine Therapiemaßnahme oder Behandlung empfohlen wurde, die nicht dem „Standard“ entspricht. Deckt die gesetzliche Krankenkasse die Leistung nicht ab, muss der Patient/die Patientin selbst bezahlen – oder hat im Vorfeld eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Doch welche Zusatzversicherungen sind wirklich sinnvoll?

Ist eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll?

Die beliebteste Zusatzversicherung in Deutschland ist und bleibt seit Jahren die Zahnzusatzversicherung. Mittlerweile haben fast 17 Millionen Deutsche eine solche Police abgeschlossen, Tendenz seit Jahren steigend.

Viele fragen sich immer noch, ob sich der Abschluss einer solchen Versicherung am Ende wirklich „lohnt“. Aus Sicht von Versicherungsfachmann Maximilian Waizmann, Geschäftsführer des Portals www.zahnzusatzversicherung-experten.de ist das die falsche Fragestellung. Die häufig gestellte Frage, ob sich eine Zahnzusatzversicherung „lohnt“, sei dabei die falsche Frage, erklärt der Versicherungsexperte. Schließlich könne niemand per Blick in die Glaskugel absehen, ob er später mal Zahnersatz benötigt und wie hoch die Kosten dafür dann genau ausfallen werden.

Vor diesem Hintergrund sei diese Frage besser anders zu formulieren – und zwar eher so: Ist eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll bzw. für wen ist sie sinnvoll?

Interessant ist eine Zahnzusatzversicherung vor allem für Menschen, die Wert auf eine ästhetisch hochwertige Versorgung mit Zahnersatz legen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nämlich nur die Kosten der Regelversorgung, was bedeutet, dass nach festen Zuschüssen abgerechnet wird.

Gerade bei teurem Zahnersatz wie Implantaten oder ansprechender Keramik-Ausführung fallen für Kassenpatienten häufig hohe Eigenanteile an. Die gesetzliche Kasse übernimmt nur 60 bis 75% der einfachsten Versorgung.

Darüber hinaus muss sich natürlich jeder auch individuell die Frage stellen, wie hoch sein Risiko ist. Nach Aussage der Wirtschaftswoche braucht bereits heute etwa jeder Zweite irgendwann (teuren) ​Zahnersatz. Wer also schon heute absehen kann, dass es ihn treffen wird, zum Beispiel weil schon viele Füllungen oder Kronen vorhanden sind, für den ist eine Zahnversicherung auf jeden Fall eine sinnvolle Investition.

Macht eine stationäre Zusatzversicherung Sinn?

Kein Mensch möchte gerne ins Krankenhaus, doch das ist der falsche Ansatz, um diese Frage zu beantworten. Viel wichtiger ist hingegen die Frage, welche Leistungen man sich während des Aufenthalts im Krankenhaus erwartet.

Die stationäre Zusatzversicherung verschafft dem gesetzlich Versicherten ähnliche Vorteile im Krankenhaus wie dem Privatversicherten. Das bedeutet, dass die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer ermöglicht wird oder die Behandlung durch den Chefarzt.

Je nach den medizinischen Möglichkeiten vor Ort lassen sich die Wartezeiten reduzieren. Auch die Wahl des Krankenhauses und der Krankentransport dorthin sind Leistungen der stationären Zusatzversicherung.

Krankenhaus

Damit ermöglicht die stationäre Zusatzversicherung ansatzweise die Versorgung wie ein Privatpatient – wenn es um einen Krankenhausaufenthalt geht. Wer wegen einer vergleichsweise unspektakulären Behandlung ins Krankenhaus muss, für die es keinen Chefarzt braucht, der könnte auf diese Teilleistung verzichten – und dafür beispielsweise ein Krankenhaustagegeld erhalten. Dasselbe Prinzip ist möglich, wenn auf die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer verzichtet wird.

Ein detaillierter Vergleich der Versicherungen ist hier sinnvoll, denn auch hier variiert der Leistungskatalog. Denkbar wären beispielsweise Leistungen auf einer Kur oder in einer Privatklinik oder die Übernahme der täglich anfallenden Krankenhausgebühr.

Ist eine Heilpraktiker-Versicherung sinnvoll?

Wer große Stücke auf die Arbeit von Heilpraktikern hält, der sollte zunächst einen Blick auf den Leistungskatalog der eigenen gesetzlichen Krankenversicherung werfen:

Einige Krankenkassen haben mittlerweile einen kleinen, aber feinen Part den Heilpraktiker-Leistungen gewidmet. Wären genau die Leistungen enthalten, die gewünscht sind, ist keine zusätzliche Heilpraktiker-Versicherung nötig. Wer keinen Passus hierzu in den Versicherungsleistungen der gesetzlichen Krankenkasse findet, sollte Zusatzversicherungen zu Heilpraktiker Leistungen vergleichen. Ob dann spezielle Behandlungsmethoden, wie etwa die Hyperthermie oder die Bioresonanztherapie übernommen werden, muss im Einzelfall geprüft werden.

Tipp: Wer mit einer Zusatzversicherung für Heilpraktiker liebäugelt, sollte auf die Erstattungshöhen achten. Wenn nur ein geringer Prozentsatz der Behandlungskosten übernommen wird, rechnet sich ein Abschluss nicht zwingend. Denkbar wäre dann eher der Wechsel in eine gesetzliche Krankenkasse, die mehr Heilpraktiker-Behandlungen als Kassenleistung bezuschusst.

Die Heilpraktiker-Zusatzversicherung gibt es sowohl als Einzelversicherung als auch als Paket, das auch weitere Leistungen – beispielsweise für Brillen oder Impfungen – enthält.

Ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

Wer sich für eine Pflegezusatzversicherung interessiert, möchte in aller Regel die Lücke zwischen der Versorgung durch die gesetzlichen Pflegekassen und den privat zu tragenden Aufwand schließen.

Hände Und diese Lücke ist je nach Pflegegrad und Unterbringung durchaus unterschiedlich groß. Ein Beispiel: Wer zuhause gepflegt wird, erhält bei Pflegegrad III 545 Euro, bei einer professionellen Pflege zuhause 1298 Euro und bei einer vollstationären Pflege im Heim 1262 Euro. Laut einer Finanztest-Aufstellung aus dem Jahr 2020 soll die Versorgungslücke beim Pflegegrad III bei 1100 Euro für die professionelle Pflege zuhause liegen und bei 1500 Euro für die vollstationäre Pflege in einem Heim. Ist bereits absehbar, dass sich diese Lücke nicht mit eigenen Mitteln schließen lässt (durch Erspartes oder eine Mieteinnahme), ist eine Pflegezusatzversicherung durchaus sinnvoll.

Grundsätzlich gibt es die Option, eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung abzuschließen, die laut der Verbraucherzentrale zwar die schlechteren Bedingungen hat, allerdings besteht hier nicht die Gefahr, dass der Antragsteller abgelehnt wird.

Autor: Fabian Hennemann | Datum: 11.02.2022

Bildquelle:

Abbildung 2: pixabay.com © bertholdbrodersen (CC0 Public Domain)
Abbildung 2: pixabay.com © pololofreack30 (CC0 Public Domain)
Abbildung 3: pixabay.com © corgaasbeek (CC0 Public Domain)
Abbildung 4: pixabay.com © andreas160578 (CC0 Public Domain)
Abbildung 5: pixabay.com © memorycatcher (CC0 Public Domain)

Suche