Mehr als jeder zweite Deutsche ist von Kurz- oder Weitsichtigkeit betroffen. Die beiden Fehlsichtigkeiten sind für sich genommen eigentlich keine echten Augenleiden, sondern lediglich Abweichungen vom Ideal. Zur Korrektur einer Sehschwäche trägt der Großteil aller Betroffenen eine Brille. Als bekannteste Alternative gelten Kontaktlinsen. Die unsichtbaren Sehhilfen behindern ihre Träger im Alltag weniger als Brillengläser. Auch in anderer Hinsicht sind Kontaktlinsen Brillen oftmals überlegen.

Das macht Kontaktlinsen zu besseren Brillen

Genau wie Brillen gibt es Kontaktlinsen in beliebiger Sehstärke und für nahezu jede Augenform – heutzutage beispielsweise auch ausgelegt auf trockenere Augen, die im Alltag besondere Aufmerksamkeit und Pflege benötigen.

Anders als Brillengläser liegen die unsichtbaren Sehhilfen direkt am Auge und bieten dadurch bessere Sehschärfe. Durch die Nähe zur Hornhaut wird das Licht effektiver gebrochen und fokussiert. Brillen liegen etwa zwölf Millimeter vom Auge entfernt und fokussieren das Licht sozusagen auf Umwegen. Auch das Sichtfeld leidet unter dem Abstand. Beim Blick nach unten oder aus dem peripheren Feld beklagen viele Brillenträger beispielsweise verschwommene Sicht, denn diese Stellen liegen außerhalb der Gläser. Mit Kontaktlinsen, die sich an die Form der Augen anpassen und mit bewegen, ist das Sichtfeld größer. Auch in Sachen Bildgröße bieten sie einen Vorteil. Denn Brillengläser maximieren oder minimieren Bilder innerhalb des Sichtfeldes. Hierbei kann es zu Verzerrungen kommen, die mit Kontaktlinsen ausgeschlossen sind. Analog dazu gibt es weitere Gründe, wieso fehlsichtige Menschen mit Kontaktlinsen teils besser sehen. Im Vergleich zu Brillengläsern neigen Linsen beispielsweise weniger zu

  • Sichtbeeinträchtigungen durch Witterungsbedingungen
  • Beschlagen
  • Ablagerungen
  • Blendeffekten
  • Beschädigungen

1. Wie Witterungsbedingungen Brillenträgern die Sicht erschweren

Jeder Brillenträger kennt den Kampf mit äußeren Einflüssen. Weil die Gläser nicht direkt auf den Augen sitzen, sind sie ununterbrochen mit den Elementen konfrontiert. Das erhöht nicht nur die Gefahr, dass sie verschmutzen, verschmieren oder beschädigen. Auch Witterungsbedingungen wie Regen und Schnee können die Sicht behindern. Benetzt Regenwasser die Gläser, verzerren die Bilder. Reinigt man die Brille davon, entstehen oft Schlieren, die abermals die Sicht beeinträchtigen. Mit Schnee verhält es sich ähnlich. Ist es eiskalt, kann Wasser sogar eine Frostschicht auf der Brille bilden. Bei Wetterbedingungen wie Wind neigen schlechtsitzende Brillen außerdem zum Verrutschen, worunter der Tragekomfort leidet. Kontaktlinsen sind durch ihre Nähe zum Auge sicher vor diesen Phänomenen.

2. Wieso Kontaktlinsen anders als Brillen nicht beschlagen

Nicht nur die Elemente, sondern auch Temperaturschwankungen können Brillenträgern zusetzen. Wer sich von der kalten Außenwelt in beheizte Innenräume begibt, muss stets mit beschlagenen Gläsern rechnen. Trifft heiße Luft auf kalte Oberflächen, kommt es zu Kondensation. Grundsätzlich beschlagen Brillen vor allem, wenn durch Atem, Schweiß oder hohe Luftfeuchtigkeit viel Wasserdampf in der Luft liegt. Kontaktlinsen beschlagen dagegen weder im Winter noch beim Sport oder in überfüllten Räumen. Gegen Temperaturschwankungen sind ihre Oberflächen gefeit. Sie erwärmen sich nach dem Einsetzen von Raumtemperatur (20 bis 22 Grad Celsius) auf Augentemperatur (34,51 ± 0,82 Grad Celsius) und schrumpfen währenddessen, bis sie perfekt sitzen. Durch die ideale Passform und die Hornhaut-Nähe können Linsen nicht kalt genug werden, um Beschlag zu bilden.

3. Weshalb Ablagerungen auf Kontaktlinsen selten Probleme bereiten

Brillengläser sind in ständigem Kontakt mit der Luft und, daher bilden sich schnell Ablagerungen. Neben Staub, Schweiß und Fett können sich beispielsweise Pollen oder andere Kleinstelemente darauf absetzen. Muss man sie ständig absetzen, um sie zu reinigen, beeinträchtigt dies den Tragekomfort. Insbesondere beim Sport, in der freien Natur oder bei Badeausflügen ist der Griff zu Kontaktlinsen angesichts dieser Problematik empfehlenswerter. Belag entsteht auf den ständig von der Augenflüssigkeit benetzten Linsen nämlich selten. Wählt man Tageslinsen, muss man die Sehhilfen am Ende des Tages nicht einmal reinigen, um die Ablagerungen zu beseitigen – sie werden einfach entsorgt. Bei der Brille ist die tägliche Reinigung dagegen Pflicht.

4. Warum Kontaktlinsen keine Blendeffekte verursachen

Bei direkter Sonneneinstrahlung können Brillengläser Blendung verursachen. Denn trifft Sonnenlicht darauf, wird es reflektiert. Dadurch wird es teils unmöglich, deutlich zu sehen. Antireflexionsbeschichtungen verbessern die Sicht, aber sind oft kostspielig. Bei Kontaktlinsen ist eine Extra-Beschichtung zur Minimierung von Blendeffekten in der Regel nicht notwendig. Sie reflektieren das Licht wegen ihrer Position auf den Augen nicht so sehr wie Brillen.

5. Wieso Kontaktlinsen seltener beschädigen als Brillen

Ob sie einem von der Nase rutschen oder die lange Tragedauer zu Abnutzungen führt: Irgendwann beschädigen Brillen automatisch. Denn durch ihre exponierte Lage unterliegen sie Verschleiß, der sich durch Kratzer bemerkbar macht. Kleine Abnutzungen kann das Auge ausblenden, aber muss sich dabei anstrengen. Größere Kratzer erfordern den Austausch der Brillengläser oder ein neues Brillenmodell. Durch ihre Augennähe und kürzere Nutzungsdauer kommt Zerkratzen bei Kontaktlinsen seltener vor. Das gilt zumindest, solange Träger ihre unsichtbaren Sehhilfen richtig reinigen und pflegen.

Autor: Stefan Schmitt
Datum: 18.08.2022
Bildquellen: ©Nataliya Vaitkevich@pexels.com

Quellen und weiterführende Links:

  • Focus Online. Augeninfektionen vermeiden. Kontaktlinsen richtig reinigen – so geht’s. 03.02.2021
  • Lensbest. Kontaktlinsen für trockenere Augen.

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